Abendlied
J. Grimm
In des Abendgoldes Glühen
Glimmt und blitzt im Thal die Stadt,
Still ist Alles, an der Espe
Reget sich kein bebend Blatt.
Lieblich ist der dunkeln Berge
Saum mit Violett behaucht,
Und in tiefen Abendfrieden
Ist die ganze Flur getaucht.
Holder süßer Abendfriede,
Mit dem letzten Sonnenschein,
Kehr', o kehre, sanft und stille,
Auch in meine Seele ein!
Hülle alle Erdendinge
Dicht in blaue Dämm'rung ein,
Nur am fernen Horizonte
Laß mir meiner Liebe Schein!
Nun das Thal ist überfluthet
Von der meerestiefen Nacht;
Süßer Liebe Abendröthe,
Halt in meinem Herzen Wacht!