In der Nacht

J. Grimm

Geschlossen sind die Augen

Der Menschen nah und fern,

Doch tausend Augen schauen

Vom Firmament, dem blauen

Nach unserm kleinen Wandelstern.

Der dunkle Wald ging schlafen,

Ich hör' ihn athmen kaum;

Er hält mit Muttersorgen

Die Kinder all' geborgen,

Und wieget sie in sanften Traum.

Die ganze Flur ist stille,

Und schlummert leis und lind;

Kein Laut, kein Ton erschallet,

Der Bach nur murmelnd lallet,

Wie in der Wieg' ein schläfrig Kind.

Mich drängt es zu belauschen

Die schlafumfangne Welt,

Ob nicht im Traum sie spreche

Und das Geheimniß breche,

Das sie im tiefen Busen hält.

Und wie ich so gesessen

In träumerischer Ruh',

Da hört' ich leises Klingen,

Ein überirdisch Singen,

Mit süßem Schauer hört' ich zu.

Mit stiller Andachtweihe

Hat es mein Herz belebt,

Der Wesen frommes Lallen

Vom Einen, der in Allen

Mit ew'gen Kräften wirkt und webt.