Im Mai

J. Grimm

Hier Saatengrün, dort Himmelsblau,

Rings Klang und Sang und Frühlingslust;

Wie junge Lämmer auf der Au,

So hüpft das Herz in meiner Brust.

Die ganze Flur im Sonnenglanz

Umschlingt mich wie ein Blumenkranz.

Ihr Wölkchen, die die Schwanenbrust

Ihr badet in des Aethers Meer;

Ihr Blumen, die voll Liebeslust

Umschwärmt der goldnen Falter Heer;

Ihr Vöglein, lust- und liederreich,

Wer ist an Lust mir heute gleich?

Wem schmückt sich jedes Blumenreis

Mit unerschöpflich reicher Pracht?

Wem tragen Aug' und Ohr mit Fleiß,

Wie Bienen, zu die süße Fracht?

Wer fühlt in jeder Melodie

Die große ew'ge Harmonie?

Wer ahnt des großen Geistes Wehn,

Der aus den Creaturen spricht?

Wer darf den tiefen Sinn verstehn

Von diesem ewigen Gedicht?

Ja, priese jeder Athemzug

Des Menschen Glück, 's wär' nicht genug!