Das Abendrot

J. La Trobe

Wie lieblich, wann dein roter Schein

Den stillen See bemalt

und in den taubesprengten Hain

Durch Blütenzweige strahlt,

auf gold'ner Wogenflut des Korns

leicht hin und wieder schlüpft.

und funkelnd auf des Wiesenborns

umschäumtem Silber hüpft!

Wie lieblich, wann er mit dem Bach

die Blumenau durchspielt,

und sich durch das Holunderdach

in meine Laube stiehlt;

Wann wollicht krauser Wölkchen Heer

sein Purpur überzieht,

und rot vom Wiederschein das Meer

wie Lavaströme glüht!

O Pracht, wann du der Berge Blau

mit gold'nem Saume zierst,

bevor du dich ins matte Grau

der Dämmerung verlierst!

Noch wunderschöner strömt die Flut

von deinem Rosenlicht

dem Mädchen unterm Halmenhut

ins blühende Gesicht.

Wann, bei der Haidelerchen Sang,

dein letzter Strahl erstirbt,

im Totenacker, leis' und bang',

Noch die Zikade zirpt;

dann lächelt die Vergangenheit

durch der Erinn'rung Flor:

In mildem Lichte steigt der Zeit

Verblich'nes Bild empor.

Aus deines Kranzes Rosen taut

wehmütiges Gefühl;

im Spiegel stiller Ahndung schaut

mein Geist der Wallfahrt Ziel.

Vom Hauch der Hoffnung kühl umweht,

Vergisst er Gram und Schmerz;

die Erde rings um ihn vergeht,

er schwingt sich himmelwärts.