Das Bild in mir

J. La Trobe

Was steigt im Strahl der jungen Morgensonne,

im Schimmer der Erinn'rung vor mir auf

und gießt der Sehnsucht schmerzlich süße Wonne

auf meines trüben Tages öden Lauf?

Was geht mit mir durch Fluren und durch Haine,

was teilt Geräusch mit mir und Einsamkeit?

Was naht mir in der Sterne bleichem Scheine

mit Zauberbildern der Vergangenheit?

Und wenn der Schlaf mein müdes Auge grüßet,

und das Getös' des Lebens mir verhallt,

was schwebt auch dann noch vor mir und versüßet

mir meiner Träume düstere Gestalt?

Du bist's, o Bild, das tief in meiner Seele

wie ein Geheimnis still und schweigend ruht,

du, dem ich nicht den inner'n Schmerz verhehle,

der in mir brennt mit namenloser Glut.

O sei mein Schutzgeist auf der kalten Erde!

Erhebe mich, wenn jede Hoffnung sinkt,

und, dass mein Glaube nimmer wankend werde,

sei du der Stern, der Mut ins Herz mir blinkt!