Ewige Nächte

J. Lenot

Ich sitze so alleine in der Nacht

An meinem Tisch, der trägt noch seine Lebensfarbe.

Auf jede seiner Adern geb ich acht,

– Mich dünkt, er blutet noch aus einer Narbe.

Vielleicht stieß mal ein Messer in den Stamm

Ein Mann im Walde, – seine Lust zu kühlen.

Und reckte weit am Teiche in den Schlamm

Die Glieder, die entlasteten zu fühlen.

Er warf mit seinem Tropfen letzter Lust

Die Menschheit von sich ab in einer einzigen Wehe.

Ich wälze auch, wie er, mein »Ich« bewußt!

Ein Volk von mir, bevor ich aus dem Leben gehe.

Dich suchte unaufhörlich ich auf meinem Pfad,

Nie aber kam mein Ebenmensch mir je entgegen.

Und doch wurd' alles, was ich sann, zur Tat,

Und hat das Wort auch tausend Jahr in mir gelegen.

Und flöße Furcht ein, ob des Segens Segen,

Um Dunkelheit vor meines Tisches stillem Tal:

Ein wilder Jude mit dem Kopf des Baal.

Verwittert – ewige Nächte... Draußen fällt ein Regen.