Frühlingslied
K. Eckert
Wie es grünst und blüht im Hag,
In den Lüften welch ein Leben!
Lerchenwirbel, Finkenschlag
Und ein lustig Schwalbenschweben.
Knospen hat ein jeder Strauch,
Blüthen jeder Baum genommen,
Sonnenschein und duft'ger Hauch --
Frühling, Frühling ist gekommen.
Lang gefesselt kühler Strom,
Ströme nur und rausche wieder!
Halle nur vom alten Dom,
Festliches Geläute, nieder.
Hoch am Berge, tief im Thal
Will sich Alles neu bewegen,
Um der Gräber Kreuz und Mal
Selbst die bunten Kränze legen.
Schäume nur in trunk'ner Lust,
Dunkler Schachte Kind, o Quelle!
Stürze an die Felsenbrust
Deine sagenfrische Welle!
Was nicht blühn und grünen mag,
Soll doch in der Sonne prangen;
Denn ein heller Freudentag
Sei für Alle aufgegangen!
Frühlingswind, in freier Flucht
Will ich mit dir feldwärts streifen.
Welche reiche Segensfrucht
Seh' ich aus den Keimen reifen!
Jede Scholle bricht und schon
Blickt der Halm aus ihrer Wunde;
Durch die Lüfte klingt ein Ton --
Eines neuen Bundes Kunde.
Wald, so lang mit Reif belegt,
Deine Sänger singen wieder;
Über deinen Wipfeln regt
Schon die Taube ihr Gefieder.
Noah's Botin, möchtest du
Doch ein duftig Ölblatt tragen
All' den kranken Herzen zu,
Die da tiefbekümmert schlagen!