Die Blumen und die Liebe

K. Kocher

Grüßt uns mit freundlichem Willkommen

Und pflegt uns mit getreuer Hand,

Und fragt uns nicht, woher wir kommen,

Aus welchem Thal, aus welchem Land?

Wie sich der zarte Keim gestaltet

Mit jedem neuerwachten Jahr,

Und wie die Blüthe sich entfaltet,

Noch keinem ward es offenbar.

Tief in geheimnisreicher Stille

Ruh'n wir in einsam dunkler Nacht,

Und unsre festgeschloßne Hülle

Eröffnet nur des Himmels Macht.

Wenn uns der Sonne Strahlen rühren,

Wird uns so eng im kühlen Haus,

Und ihre lichten Bothen führen

Zum frohen Leben uns heraus.

So auch die Liebe, wie die Blume,

Wer sagt, woher sie stammen mag?

Tief in des Herzens Heiligthume

Erwartet sie den jungen Tag.

Wenn uns der Morgen aufgegangen

Aus zweien Augen lieb und mild,

Allmächtig treib uns das Verlangen,

Bis uns der heil'ge Wunsch erfüllt.

Die Blumen wird der Sturm verwehen,

Bewahrt sie nicht der Sonne Licht,

Ach! so muß auch das Herz vergehen,

Wenn ihm der Liebe Trost gebricht.