Frauenlob

K. Kocher

Wie selig, wer ein Weib gewann,

An Herz und Sitte rein!

Wie kann der hochbeglückte Mann

Sich seines Lebens freu'n!

Die Holde, die sich ihn ergab,

Theilt zärtlich Freud' und Schmerz,

Und weiht getreu ihm bis zum Grab

Ein liebevolles Herz.

Wenn ihm des Amtes Überdruß

Die volle Brust empört,

So wird durch ihren Blick und Kuß

Dem innern Sturm gewehrt.

Wenn Noth und Drang der trüben Zeit

Mit Angst das Herz ihm füllt,

So wird durch ihre Freundlichkeit

Die Sorge bald gestillt.

Sie läßt ihm auf bedorntem Pfad

Des Trostes Blum' erblüh'n;

Ihr frommes Wort, ihr milder Rath

Macht allen Unmuth flieh'n.

An ihrer Brust, in ihrem Arm

Versöhnt sie ihm die Welt;

Verschwunden ist des Lebens Harm,

Des Kummers Nacht erhellt.

Von ihr wird sein beglücktes Haus

Mit weisem Geist regiert;

Mit Freuden geht man ein und aus,

Wo sie die Wirthschaft führt.

Durch Reinlichkeit und muntern Fleiß

Lacht alles um und um;

Des Gatten Wohlstand ist ihr Preis,

Sein guter Nam' ihr Ruhm.

Durch Lieb' und Huld wird sein Gefühl

Für jede Pflicht erweicht,

Und jedes Werk wird ihm ein Spiel,

Und jede Bürde leicht.

Und nicht im Taumel roher Lust,

Und nicht in wilden Reih'n,

In seinem Haus, in seiner Brust

Sucht er die Freud' allein.

Drum, wer ein edles Weib gewann,

An Herz und Sitte rein,

Wie kann der hochbeglückte Mann

Sich seines Leben freu'n!