Theopron an Mira
K. Kocher
Über Thäler her und Hügel
Schwebst, o Mira, Du um mich?
Auf der Sehnsucht leisem Flügel
Nah'n verwandte Seelen sich.
In des Morgens Purpurglanze,
Der den jungen Tag enthüllt,
Und im hohen Sternenkranze
Webet das geliebte Bild.
Unter grüngewölbten Bäumen,
In der Abendlüfte Weh'n,
Hab' ich, wie in Zauberträumen,
Mira, Deinen Geist geseh'n.
Aus der Ferne hergezogen
Durch des Herzens Allgewalt,
Schwebte von dem Ätherbogen
Deine göttliche Gestalt.
Plötzlich sank ein Himmelsfrieden
In die kummerfreie Brust,
Und der Raum, der uns geschieden,
Schwand vor meiner trunknen Lust.
In dem düstern Walde schliefen
Mählig alle Stimmen ein,
Und aus meines Herzens tiefen
Scholl es: Mira! ewig Dein.