Der Philister
K. Reissiger
Wisst ihr, was ein Philister heißt?
Ich will sein Bild entschleiern.
Geht irgendwo ein finstrer Geist
Behutsam, wie auf Eiern,
Und trägt geschmückt den hohlen Kopf
Mit Haarsack, Atzel oder Zopf,
Der ist ein Herr Philister!
Hol' ihn der Kuckuck und sein Küster!
Wer da, wo Traubensaft vom Rhein
Der Männer Herz erfrischet,
Den Göttertrank mit Gänsewein
In seinem Becher mischet,
Und wenn ein freies Lied ertönt,
Gesichter zieht und Seufzer stöhnt,
Der ist ein Herr Philister!
Hol' ihn der Kuckuck und sein Küster!
Wer immer vom gesunk'nen Staat
Und bösen Zeiten pimpelt,
Und jede kühne Männertat
Spießbürgerlich begimpelt,
Und alle Musenkünste schilt,
Weil sich dadurch der Sack nicht füllt,
Der ist ein Herr Philister!
Hol' ihn der Kuckuck und sein Küster!
In Summa, wer die Welt um sich
So dünkelstolz betrachtet,
Als wär' sie seinem hohen Ich
Vom lieben Gott verpachtet,
Und d'rum verlangt mit dummem Groll,
Daß, wie er pfeift, sie tanzen soll,
Der ist ein Herr Philister!
Hol' ihn der Kuckuck und sein Küster!