Trinklied

K. Reissiger

An der Elbe Strand

liegt mein Vaterland;

lieb's von ganzer Seele,

aber meine Kehle

ist zu Haus' am Rhein,

dürstet nur nach Wein.

Wem es Freude schafft,

trinke Bruderschaft

mit den kalten Fröschen;

meinen Durst zu löschen,

hol' ich mir vom Rhein

lebenswarmen Wein.

Spricht ein kluger Mund,

Wein sei nicht gesund.

Ei, so trink' er keinen!

Doch mir will es scheinen:

Der den Geist erfreut,

tut dem Leib kein Leid.

Mancher Medikus

trank sich aus dem Fluss

Flüsse in die Glieder.

Wein und frohe Lieder!

heißt mein Recipe

wider jedes Weh'.

Und muss es einst sein,

sterb' ich doch am Wein

lieber als an Pillen.

Vor dem letzten Willen

leer' ich erst mein Fass

bis aufs letzte Glas.