Weinlied

K. Reissiger

Aus Feuer ward der Geist geschaffen,

d'rum schenkt mir süßes Feuer ein;

die Lust der Lieder und der Waffen,

die Lust der Liebe schenkt mir ein,

der Traube süßes Sonnenblut,

das Wunder glaubt und Wunder tut!

Was soll ich mit dem Zeuge machen

dem Wasser ohne Saft und Kraft

gemacht für Kröten, Frösche, Drachen

und für die ganze Würmerschaft

Für Menschen muß es frischer sein

drum bringet Wein und schenket ein

O Wonnesaft der edlen Reben

O Gegengift für jede Pein

wie matt und wässrig ist das Leben

wie ohne Stern und Sonnenschein

wenn du, der einzig leuchten kann

nicht zündest deine Lichter an

Es wäre Glauben, Liebe, Hoffen

und alle Herzensherrlichkeit

im nassen Jammer längst ersoffen

und alles Leben hieße Leid

wärst du nicht in der Wassernot

des Mutes Sporn, der Sorge Tod

Drum dreimal Ruf und Klang gegeben!

Ihr frohen Brüder, stoßet an

„Dem frischen, kühnen Wind im Leben,

der Schiff und Segel treiben kann!“

Ruft Wein, klingt Wein und aber Wein

und trinket aus und schenket ein.

Aus Feuer ward der Geist geschaffen

drum schenkt mir süßes Feuer ein

Die Lust der Lieder und der Waffen

die Lust der Liebe schenkt mir ein

der Trauben süßes Sonnenblut

das Wunder glaubt und Wunder tut.