Abendwehmuth
L. Abeille
Mich lockte der Vollmond
Vom Saale des Tanzes
Zum Felsengestade
Der brausenden Reuß.
Noch immer im Strahle
Des Mondes begegnen
Mir Schattengebilde
Der Zeiten, die flohn.
Ich hasche beym Saume
Des Äthergewandes
Die Zaubergestalten
Mit schmerzlicher Lust.
Umsonst! Sie zerfließen.
Wie Nebel der Frühe;
Umsonst! Sie verwallen.
Wie Düfte des Mays.
Die Sterblichen suchen,
Um nimmer zu finden,
Und ahnen die Wonne
Nur, wo sie nicht blüht.
Wo reift, was beseligt?
Wo dauert, was tröstet?
Der Einklang der Herzen
Wo hat er Bestand?
Wo thauen nicht Thränen
Auf Myrthen der Liebe?
Wo scheiden vom Freunde
Nicht Gräber den Freund?
O Wahrheit! vergönne
Dem einsamen Waller
Im Haine der Wehmuth
Ein tröstendes Wort.
Du hast es vernommen;
Doch schweigst du, und senkest
Auf Urnen und Grüfte
Den warnenden Blick!
Du hast es vernommen;
Doch schweigst du, und hebest
Empor zu den Sternen
Den tröstenden Blick!