Der Frühlingsabend

L. Abeille

Beglänzt vom roten Schein des Himmels bebt

Am zarten Halm der Thau;

Der Frühlingslandschaft zitternd Bildnis schwebt

Hell in des Stromes Blau.

Schön ist der Felsenquell, der Blütenbaum,

Der Hain mit Gold bemalt;

Schön ist der Stern des Abends, der am Saum

Der Purpurwolke strahlt!

Schön ist der Wiese Grün, des Tals Gesträuch,

Des Hügels Blumenkleid;

Der Erlenbach, der schilfumkränzte Teich,

Mit Blüthen überschneit!

O wie umschlingt und hält der Wesen Heer

Der ew'gen Liebe Band!

Den Lichtwurm und der Sonne Feuermeer

Schuf eine Vaterhand.

Du winkst, Allmächtiger, wenn hier dem Baum

Ein Blüthenblatt entweht!

Du winkst, wenn dort, im ungemeßnen Raum,

Ein Sonnenball vergeht.