Loblied

L. Lenz

Ein feines Lob zu singen

vom frommen Landsknecht gut -

hört zu, ich will's euch bringen

aus frischem, freien Mut!

Hört zu, ich geb's an Tag,

was mir ein Vöglein heimlich sang,

als ich zu Felde lag:

„Nicht kehre heim zum Bauern,

nicht wieder hintern Pflug!

Beim Krüstlein musst du trauern

und schmachten am Wasserkrug!

Du musst gar früh aufsteh'n,

mit deiner Sense noch vor Tag

das dürre Gras abmäh'n!

Hier kannst du sanft ausschlafen

in deinem Kriegsquartier,

erwachst wie Herrn und Grafen

beim edlen Malvasier.

Die Trommel ist dein Hahn,

das Schwert dein Schatz und Schirm und Schild,

das Glück ist deine Bahn.“

Hast, Vöglein, gut gesungen

von deinem grünen Ast;

mir ist es längst gelungen,

was du verkündet hast.

Ich kenn' es alles schon:

Ich trage Wunden, Beut' und Ruhm

aus jeder Schlacht davon.

Mein Kleid ist weit geschlitzet,

verbändelt und benäht,

mein Bart schön scharf gespitzet,

mein Hütlein schief gedreht.

Mein Säckel hecket Geld,

mir hat's Herr Fortunatus selbst

auf Nießbrauch zugestellt.

Der Kaiser trägt die Krone,

sein Szepter tragen wir.

Und gibt er nichts zum Lohne,

so bleiben wir allhier.

Viel lieber ist hier Tod

als garden vor des Bauern Tür

um saure Milch und Brot.