Ich kann es nicht

M. Gus

Warum, wenn deine Lippe zauberhaft

Mir spricht von deines Lebens Leid und Lust,

Scheint deiner blauen Augen Liebeskraft

Das Herz mir fast zu stehlen aus der Brust?...

Ruf' todte Träume, Küsse nicht ans Licht...

O schweig', ich kann es nicht!...

Und wenn gedankenvoll ergriffen ich

Der Stimme lausche, die wie Harfen klingt,

Warum färbt dunkel deine Wange sich,

Ein Schauer mir durch alle Fibern dringt?...

Ruf' alte Träume, Küsse nicht ans Licht...

O schweig', ich kann es nicht!...

Mir ward ein and'res Schicksal. - Ach, die Zeit

Bringt mir kein seliges Vergessensein,

In dem mir sagt in wonn'ger Trunkenheit

Die Lippe eines Liebenden: Sei mein.

Ein Kuß auf meinem Munde, jung und rein,

Nur Unglück würd' er sein.

Du ahnst wohl meine Liebe nicht?... Durchglüht

Wär' sie von Freude, Glück und hellem Licht;

Vom Lächeln stolzer Jugendkraft umblüht,

Ein Hymnus, der von Sieg und Hoffnung spricht

Und Seel' und Geist durchleuchtet, Mark und Bein

Mit lichtem Zauberschein.

Und doch verbann' ich dich und ziehe mich

In keuscher Strenge in die Nacht zurück;

O frage nicht, warum tyrannisch sich

Mir aufdrängt ein geheimnißvoll Geschick;

Ruf' alte Träume, Küsse nicht ans Licht...

O schweig', ich kann es nicht!...