Erinnerung

M. von Dietrichstein

Im Ulmenhaine, wo mich ernst und düster

Die Wehmut oft an deinem Arm beschlich,

Wandl' ich allein; im leisen Blattgeflüster,

Ahnt meine Seele dich;

Den Hain, in dem sich Tag und Dunkel gatten,

Durchrauscht ein Quell, vom Geissblatt überwebt;

Dein Bild umschwebt den Quell, sanft wie ein Schatten

An Lethes Ufern schwebt.

Des Lebens oft empörte Stürme schweigen;

Sanft wie der Mond, verhüllt sie hier die Nacht,

wenn Philomele in den stillen Zweigen

des dunklen Hains erwacht.

Verblühte Bilder früher Tage keimen

Im ersten Grau der Dämmerung empor,

Die Hoffnung hält mir unter Feenträumen

Der Zukunft Blüten vor.

Dann träum' ich mich zum fernen Seegestade

Im Dämmerlicht an deine Seite hin;

Die Täuschung flieht; der Spiegel der Najade

Sagt dass ich einsam bin.

Und einsam streu' ich Blumen auf die Quelle

Zum Totenopfer dir, Vergangenheit!

Und weihend wird der Wehmut diese Stelle

Zum Tempel eingeweiht.