Anrufung
M. von Kralik
Adler, König aller Vögel,
schwing dich mit der Flügel Segel
bis in das saphir'ne Schloss,
wo der Göttervater sitzet
und mit Donnerkeilen blitzet
auf der nieder'n Erde Tross.
Trag den österreich'schen Namen
kühnlich, ohne zu erlahmen
bis hinauf zum Sternenzelt!
Ätze dort das Kaisersiegel
in den hellen Jaspisspiegel
über alle Gotteswelt!
Denn durch lorbeerreiches Siegen
ist kein Haus so hoch gestiegen
als das Erzhaus Österreich.
Keinem will so wohl gebühren,
nach uraltem Recht zu führen
Schwert und Szepter allzugleich.
In Europas Herzensmitte
hat auf seiner Engel Bitte
Gott gebaut dies Haus so hold
an dem auserwählten Orte,
wo die mächtige Alpenpforte
hehr der Donau Strom durchrollt.
Dies Haus wollte Gott den Christen
als ein stetes Bollwerk rüsten,
ja, zur Brustwehr ließ er's steh'n,
dass der Türken Trutz und Pochen
schmählich ward daran zerbrochen
und zu scheitern musste geh'n.
Dieses Haus hat selbst die Franken
rückgescheucht in ihre Schranken,
die Gott ihnen hat gesetzt,
ob der Hahn auch alle Hunde
in der weiten Weltenrunde
auf den Adler hat gehetzt.
Adler, sag, wer hat von allen
Hütern dir zu best gefallen,
den zumeist man ehren muss?
Wer, als jener edle Ritter,
groß in Schlachtenungewitter,
wer, als Prinz Eugenius?
Er, der selbst aus fremdem Stamme
dennoch durch der Liebe Flamme
ewig lebt in deutschem Mund,
der, ein Prinz von Gottes Gnaden,
doch sich wusste einzuladen
in des Volkes Herzensgrund.
Adler, aller Vögel König,
flieg dahin, wo tausendtönig
aller Musen Quelle rauscht.
Eine volle Schale bringe,
dass begeistert ich besinge
ihn, dem längst der Erdkreis lauscht.
Und du, meine liebe Laute,
stimm nun an die alte, traute
Volkesweise wohlbekannt!
Lass mich mit dir sagend singen,
dass es fröhlich möge klinge
durch das schöne Osterland.