Dem Prinzen Eugen wird vom Kaiser ein Generalissimus bestellt
M. von Kralik
Ehe Prinz Eugen zum Heere
hin nach Ungarn zog, die schwere
Kriegesarbeit zu verseh'n,
eilt er in die Burg, mit Sitten
gnäd'gen Urlaub zu erbitten
und den Kaiser noch zu seh'n.
Und der Kaiser sprach zum Helden:
„Freund, ich muss dir treulich melden,
dass nächst Gott ich dir allein
den Besitz des Reiches danke.
Du allein hast eine Schranke
hingestellt den Feinden mein.
Lass den treuen Mut nicht sinken!
Hoher Lohn wird dir noch blinken
dort, wo alles wird belohnt.
Geh ins Feld! Und meine Scharen,
führ' sie wieder, wie seit Jahren
sie zu führen du gewohnt!
Aber eines ohne Hassen
musst du dir gefallen lassen,
lieber Prinz Eugenius:
Dass ich einen mag ersehen,
der noch über dir soll stehen
als Generalissimus.”
Prinz Eugen, den edlen Ritter,
dünkte diese Rede bitter,
denn nicht fasst er gleich den Sinn.
Doch der Kaiser, d'rob ergetzet,
reichet ein demantbesetzet
Kruzifix dem Helden hin:
„Dieser sei's, den ich erhebe,
dem das Heer ich übergebe
als dem höchsten General!
Unter dess' Kommando schämen
wird sich keiner, Dienst zu nehmen,
sei er noch so groß zumal.”
Prinz Eugen, der unverzagte,
nahm das Kreuz voll Dank und sagte:
„Ihm, dem dient das Himmelsheer,
will auch ich mich untergeben,
will mich nimmer überheben
als sein simpler Volontär.”