Frühgesicht (aus den Rheinbildern)

O. Schoeck

Es donnert über der Pfaffengass

des weiland heilgen römischen Reiches

wie Gottes Heerschild jähen Streiches;

der Morgen dämmert rosig blass.

Und wie der Schlag weithin verhallt,

wogt eine graue Nebelmasse,

als zög ein Heervolk seine Straße,

das auf den Wassern endlos wallt.

Im Zwielicht raget Dom an Dom,

an allen Fenstern lauscht's verstohlen;

doch auf gedankenleichten Sohlen

vorüber eilt der Schattenstrom.

Das rauscht und tauschet Hand und Kuss,

der Sturmhauch rührt verjährte Fahnen

wie neues Hoffen, altes Mahnen,

erschauernd wie ein Geistergruß.

Was brav und mannhaft ist, vereint

zieht es, den letzten Streit zu schlagen;

er klirrt zu Fuß, zu Ross und Wagen,

zum Freunde wird der alte Feind,

und neben Siegfried reitet Hagen.