Waldlied II

O. Schoeck

Aber auch den Föhrenwald

Laß' ich mir nicht schelten,

Wenn mein Jauchzen widerhallt

In dem sonnerhellten!

Heiter ist's und aufgeräumt

Und das Weh'n der Föhren,

Wenn die Luft in ihnen träumt,

Angenehm zu hören!

Schlanken Riesenkindern gleich

Steh'n sie da im Bunde,

Jedes erbt ein kleines Reich

Auf dem grünen Grunde.

Aber oben eng verwebt,

Eine Bürgerkrone

Die Genossenschaft erhebt

Stolz zum Sonnentrone.

Schmach und Gram umfängt sie nie,

Nimmer Lebensreue;

Schnell und mutig wachsen sie

In des Himmels Bläue.

Wenn ein Stamm im Sturme bricht,

Halten ihn die Brüder;

Und er sinkt zur Erde nicht,

Schwebend hängt er nieder.

Lieg' ich so im Farrenkraut,

Schwindet jede Grille,

Und es wird das Herz mir laut

In der Föhrenstille.

Weihrauchwolken ein und aus

Durch die Räume wallen –

Bin ich in ein Gotteshaus

Etwan eingefallen?

Doch der Unsichtbare läßt

Lächelnd es geschehen,

Wenn mein wildes Kirchenfest

Hier ich will begehen!