Tod und Dichter

O. Schoeck

Tod:

Deiner bunten Blasen Kinderfreude

hängt und bricht an meiner Sensenschneide,

wirf zur Seite nunmehr Rohr und Schaum,

mache dich auf, aus ist der Traum!

Dichter:

Halte weg die Sense! Lasse steigen

meiner Irisbälle bunten Tanz!

Tod:

Schon an meinem Schädel platzt der Reigen,

und ein Ende nimmt der Firlefanz!

Dichter:

Laß! Ich will dich auf das Beste preisen,

Trost und Labsal alles Menschentumes!

Tod:

Nicht bedarf ich Schrecklicher des Ruhmes;

spare deine falschen Schmeichelweisen.

Dichter:

Weh', noch schuld' ich manche schöne Pflichten!

Tod:

Reif genug schon bist du den Gerichten!

Dichter:

Doch die lieblichste der Dichtersünden,

laß nicht büßen mich, der sie gepflegt:

Süße Frauenbilder zu erfinden,

wie die bittre Erde sie nicht hegt!

Tod:

Warum hast du solchen Spaß getrieben,

Schemen zu ersinnen und zu lieben?

Dichter:

Sind sie nicht auf diesem kleinen Sterne,

blühn sie doch wo in der Weltenferne,

Blut von meinem Blute; zu verderben

bin ich nicht, eh' jene sterben!

Tod:

Ei, da fahr' ich hin, sie wegzumähen,

und sie müssen gleich mit dir vergehen!

Dichter:

Hui! da fährt er hin ins Unermess'ne,

und ich bin der glückliche Vergess'ne,

spiele weiter in des Lebens Fluten,

bis er findet jene schönen Guten!