Les Brigands
Offenbach, Jacques
Die Banditen
SYSTEMOuvertüre
SYSTEMERSTER AKT
Eine wilde abgelegene Felsschlucht. Im Hintergrund düsteres Gebüsch und Wald, durch den sich ein schmaler, steiler Felspfad zieht. Links der Eingang zu einer Höhle. Es dämmert der Morgen.
SYSTEMIntroduktion
Wache stehend
DOMINOHorch, horch! Wie in den Bergen
DOMINODes Homes Echo schallt!
DOMINOHierher, ihr Freunde! Kommt!
DOMINOHört den Ruf, der erschallt.
Es treten von verschiedenen Seiten mehrere Räuber auf.
BARBAVANOWer nahet?
STIMMEN VON AUSSENFreunde sind's - Räuber sind's!
BARBAVANOFragt, welches Losungswort sie führen!
DOMINOSagt die Parole!
EINE STIMME"Räubers Büchse erreicht,
EINE STIMMEwas im Walde sich zeigt."
DOMINOJa, so ist's! lasst sie gleich passieren!
DOMINODie Schar der Freunde naht,
DOMINObereit zur kühnen Tat.
in Gruppen auftretend
MÄNNERZwei und zwei, auch drei und drei
MÄNNERSchleichen mit Vorsicht wir herbei.
MÄNNERSchritt vor Schritt durch des Waldes Stille
MÄNNERUnd gedeckt durch die grüne Hülle!
Ein zweiter Trupp Räuber erscheint.
zu dem auftretenden Carmagnola
DOMINONun, Kamerad?
CARMAGNOLASeid still! - Verberget euch!
DOMINOWarum?
CARMAGNOLAEilet hinweg!
BARBAVANOWas sollen diese Sachen?
CARMAGNOLAErfahren sollt ihr's gleich;
CARMAGNOLAEs gibt etwas zu lachen,
CARMAGNOLAverberget euch!
DOMINO, BARBAVANOSchnell hinweg!
CHORZwei und zwei, auch drei und drei
CHORSchleichen mit Vorsicht wir herbei;
CHORSchritt vor Schritt durch des Waldes Stille
CHORUnd gedeckt durch die grüne Hülle.
Falsacappa als Eremit tritt mit den Mädchen auf.
FIAMETTAO heil'ger Eremit, sag an,
FIAMETTAwas hast du vor mit uns, du frommer Mann?
FIAMETTAWir sind alle schon müd und matt.
ZERLINE, BIANCA, CINCINELLAAlle müd und matt!
FIAMETTADie Promenade wird fatal,
FIAMETTAdenn dieser Weg ist gar so steil und schmal,
FIAMETTAwozu denn, sage, diese Plage?
FIAMETTASag es endlich heraus und grad!
ALLE MÄDCHENWohin führt der Pfad?
mit verstellter Stimme
FALSACAPPAEs ist der Tugend Dornenpfad!
Die Räuber gucken neugierig hervor.
ZERLINEDas klingt recht schon, allein trotzdem
ZERLINEIst er gewaltig unbequem,
ZERLINEund wir sind alle müd rund matt!
FIAMETTA, BIANCA, CINCINELLAJa, alle müd und matt!
ZERLINEMan kommt, wie mir's scheinen will
ZERLINEAuf diesem Wege nimmermehr ans Ziel!
ZERLINEWozu denn, sage,
ZERLINEdiese Plage?
ZERLINESag es endlich heraus uns grad.
ALLE MÄDCHENWohin führt der Pfad?
FALSACAPPAEs ist der Tugend Dornenpfad!
FIAMETTAIst denn das Ziel schon nah?
ZERLINAFrommer Klausner, sag, sind wir nicht bald da?
ALLE MÄDCHENO sag uns endlich, frommer Klausner,
ALLE MÄDCHENob wir dem Ziel schon nah?
wirft das Eremitengewand ab und zeigt sich als Chef der Banditen
FALSACAPPAWir sind schon da!
ALLE MÄDCHENFalsacappa!
ALLE MÄDCHENAch wie wird's uns ergehn?
Die anderen Räuber erscheinen wieder.
FALSACAPPAJa, ich bin's, ich bin Falsacappa!
FALSACAPPADarauf war keine vorgesehn!
ALLEFalsacappa!
FALSACAPPAWer ist es, der von Mut beseelet
FALSACAPPAFühret der Räuber wilde Schar?
ALLEFalsacappa!
FALSACAPPADer Missetaten ungezählet
FALSACAPPAStraflos vollführte immerdar?
ALLEFalsacappa!
FALSACAPPAEh noch der Wandrer ahnt sein Kommen,
FALSACAPPAhat er ihn schon aufs Korn genommen.
FALSACAPPAUnd auch der Kühnste unterliegt,
FALSACAPPAwanket und sinkt und ruft besiegt:
FALSACAPPAEr ist der Räuber, er ist da -
FALSACAPPAFalsacappa!
ALLEFalsacappal
FALSACAPPAWer ist es, der bei holden Frauen
FALSACAPPAHuldigend gerne Grossmut zeigt?
ALLEFalsacappa!
FALSACAPPAWenn sie sich seinem Schutz vertrauen,
FALSACAPPAschnell alle Strenge von ihm weicht.
ALLEFalsacappa!
FALSACAPPADie holde Unschuld zu berücken
FALSACAPPAMuss ihm durch sanftre Waffen glücken.
FALSACAPPADoch auch die Unschuld unterliegt,
FALSACAPPAwanket und sinkt und ruft besiegt:
FALSACAPPAEr ist ein Räuber, er ist da -
FALSACAPPAFalsacappa!
ALLEFalsacappa!
Währenddessen sind die Mädchen zutraulicher geworden und kokettieren sogar mit den Räubern.
FRAUENAch übet Gnade doch!
MÄNNERDem Hauptmann bringt ein Hoch!
FALSACAPPALasst schwinden den ängstlichen Wahn -
FALSACAPPAIn Güte wird ja alles abgetan!
FALSACAPPADoch vorwärts nun, schnelle, schnelle, schnelle!
FALSACAPPALasst uns allein zur Stelle, schnelle, schnelle!
FALSACAPPAIhr möget euch zerstreuen
FALSACAPPAAusser dreien, die
FALSACAPPAMeine ersten Lieutenants sind!
CHORAuf nun, gehorcht schnelle, schnelle, schnelle!
CHORLasst ihn allein zur Stelle, schnelle, schnelle!
CHORWir sollen mis zerstreuen
CHORAusser dreien,
CHORdie er ernannt
CHORzum Lieutenant!
FIAMMETA, ZERLINE, BIANCA, CINCINELLAWie jeder Blick schnelle, schnelle, schnelle
FIAMMETA, ZERLINE, BIANCA, CINCINELLABlitzet nach uns so helle, helle, helle.
FIAMMETA, ZERLINE, BIANCA, CINCINELLAOb auch Gefahren dräuen,
FIAMMETA, ZERLINE, BIANCA, CINCINELLAdie wir scheuen, -
FIAMMETA, ZERLINE, BIANCA, CINCINELLAdoch vor der Hand
FIAMMETA, ZERLINE, BIANCA, CINCINELLAscheint's ganz charmant!
MÄNNERCHORAch mit solchen Rosenwangen
MÄNNERCHORIst der Räuber auch zu fangen.
MÄNNERCHORSprich, Hauptmann - von diese Beute
MÄNNERCHORKommt doch ein Feil auf die Leute?
trennt die Mädchen von den Räubern
FALSACAPPAHaltet ein!
zurückweichend
MÄNNERWas soll's sein?
FALSACAPPABis zum Abende heut
FALSACAPPABewacht sie mit Höflichkeit.
FALSACAPPAWas später soll geschehn -
FALSACAPPAJe nun - das wolln wir sehn!
CHORJa später wollen wir sehn!
CHORBewachet sie mit Höflichkeit
usw.
FALSACAPPABewacht sie mit Höflichkeit
usw.
FALSACAPPAAuf nun, gehorchet schnelle, schnelle, schnelle
usw.
FIAMETTA, ZERLINE, BIANCA, CINCINELLAWie jeder Blick schnelle, schnelle, schnelle
usw.
CHORAuf nun, gehorchet schnelle, schnelle, schnelle
usw.
CHORJa vor der Hand
CHORZeigt euch galant.
CHORWas dann später soll geschehn,
CHORDas wolIn wir sehn! -
Ein Teil der Räuber führt die Mädchen fort und geht mit ihnen in die Höhle ab. Die anderen zerstreuen sich. Carmagnola folgt den Mädchen, bis Falsacappa ihn beim Ohr nimmt und nach links schleudert. Pietro erscheint auf dem Felsen.
Die drei Räuber Carmagnola, Barbavano und Domnino kehren zu ihrem Anführer Falsacappa und dessen Vertrauten Pietro zurück und beklagen sich über zu schlechte Bezahlung. Falsacappa weist ihre Beschwerden zurück. Die Auseinandersetzung wird unterbrochen durch den Auftritt von Falsacappas Tochter Fiorella.
Fiorella tritt auf, gefolgt von mehreren jungen Räubern.
SYSTEMLied
FIORELLADie treue Büchse stets zur Seite
FIORELLAund den Dolch an der Brust,
FIORELLAan den Hut die Reiherfeder, schreite
FIORELLAdurch die Wälder ich voll Lust.
FIORELLAWenn jegliche Gefahr scheint ferne,
FIORELLAsüsse Ruh allen lacht,
FIORELLAso wachen meiner Augen Sterne
FIORELLAin dem Dunkel der Nacht.
FIORELLAMein Stutzen blinkt im Mondesschimmer,
FIORELLAkrachend schlägt die Kugel ein, piff paff!
FIORELLAAch! So wirdFiorella immer
FIORELLADes Räubers Tochter sein,
FIORELLAdes Räubers echte Tochter sein!
Sie gibt ihren Karabiner an Barbavano.
ALLESo wird FiorelIa immer
usw.
FIORELLAZur Seite blieb ich unsern Scharen,
FIORELLAauch wenn's zum Kampfe geht,
FIORELLAund umringen drohend uns Gefahren,
FIORELLAmeinen Mut das nur erhöht.
FIORELLANie bleib zurück ich im Gefechte,
FIORELLAkrafterfüllt ist die Hand,
FIORELLAund manchen Feind hat diese Rechte
FIORELLAhingesackt in den Sand!
FIORELLADie Waffe blitzt im Mondesschimmer,
FIORELLAkrachend schlägt die Kugel ein, piff paff!
FIORELLAAch!
FIORELLASo wird Fiorella immer
FIORELLADes Räubers Tochter sein,
FIORELLAdes Räubers echte Tochter sein.
ALLESo wird Fiorella immer
usw.
Fiorella überreicht ihrem Vater als Geburtstagsgeschenk ihr gemaltes Portrait, um ihn für die folgende Nachricht milde zu stimmen: Sie hat sich in Fragoletto verliebt, einen jungen Pächter, der Opfer eines Raubüberfalls der Bande ihres Vaters wurde. Räuber schleppen Fragoletto herein.
SYSTEMEnsemble
CHORSeht dieses hübsche Männlein hier!
CHORObwohl so klein, so haben wir
CHORBemächtigt uns des kleinen Wichts,
CHORs'isl immer besser doch als nichts.
FIORELLAEr ist's!
FRAGOLETTOWas seh ich?
FIORELLAEr ist's, - jetzt heisst's sich fassen!
FIORELLANichts ahnen lassen!
derFragoletto gepackt hat
DOMINOHabt keine Furcht vor seiner Wut,
DOMINOsehet hier, ich halt ihn gut!
zu Domino
FRAGOLETTOWozu denn diese Wut,
FRAGOLETTOdie gröblichsten Manieren?
FRAGOLETTODu sagst, du hältst mich gut?
FRAGOLETTOIch mein, - du wirst dich irren!
FRAGOLETTODu nimmst's nicht übel mir --
Er befreit sich mit kräftigem Ruck und wirft Domino zu Boden. Während sich Domino verdutzt aufrafft, stürzen sich die anderen Räuber mit geschwungenen Dolchen auf FragoIetto.
DIE RÄUBER (CHOR)Weh dir, das sollst du büssen!
hat ebenfalls ihren Dolch gezogen und wirft sich zwischen Fragoletto und die Räuber
FIORELLAWagt nicht heran euch hier!
FIORELLAWagt es nicht!
FIORELLAWaget nimmer zu trotzen mir!
nachdem er die beiden Gruppen getrennt hat
FALSACAPPADie Affäre
FALSACAPPAScheint auf Ehre
FALSACAPPASehr verwickelt zu werden hier.
FALSACAPPAWas ich höre,
FALSACAPPAnicht erkläre
FALSACAPPAich die Sache bis dato mir.
FIORELLAZum Malheure
FIORELLALieb auf Ehre
FIORELLAIch wie närrisch den Burschen dahier.
FIORELLADoch es wäre
FIORELLADie Affäre
FIORELLAZu erörtern nicht ratsam wohl hier.
FRAGOLETTOZum Malheure
FRAGOLETTOLieb auf Ehre
FRAGOLETTOIch dies holde Mädchen hier.
FRAGOLETTODoch bald wäre
FRAGOLETTODie Affäre
FRAGOLETTOÜbel mir bekommen hier.
DIE RÄUBERDie Affäre
DIE RÄUBERScheint auf Ehre
DIE RÄUBERSehr verwickelt zu werden hier.
DIE RÄUBERWas ich höre,
DIE RÄUBERnicht erkläre ich bis dato die Sache mir!
Fiorella erklärt ihrem Vater ihre Liebe zu Fragoletto: "Dieser oder kein anderer wird mein Mann - ich will und muss ihn haben". Fragoletto bittet Falsacappa um die Hand seiner Tochter.
SYSTEMCouplet
FRAGOLETTOAls kürzlich du besuchtest mich
FRAGOLETTOund aufgeräumt im Hause,
FRAGOLETTOwar etwas übler Laune ich,
FRAGOLETTOdoch schon nach kleiner Pause
FRAGOLETTOschwand jeder Unmut schnell dahin.
FRAGOLETTODer Engel dir zur Seite
FRAGOLETTOSchien mir der herrlichste Gewinn,
FRAGOLETTOmehr wert als deine Beute.
FRAGOLETTOBeide wären zufrieden wir,
FRAGOLETTOdu kannst ungeniert rauben,
FRAGOLETTOund ich dürfte indes bei ihr
FRAGOLETTOmir ein Gleiches erlauben!
FRAGOLETTODu gabst dir viele Müh fürwahr,
FRAGOLETTOnamist alles, was mein eigen,
FRAGOLETTOund nur die Wände nackt und bar
FRAGOLETTOkonnt ich zu Haus noch zeigen.
FRAGOLETTODoch bin ich gar nicht böse dir:
FRAGOLETTOBehalte all den Plunder!
FRAGOLETTOJedoch wenn ich mich revanchier,
FRAGOLETTOnehm es dich auch nicht wunder.
FRAGOLETTOBeide wären zufrieden wir,
FRAGOLETTOdu magst plündern und rauben,
FRAGOLETTOdürfte ich nur indes bei ihr
FRAGOLETTOmir ein Gleiches erlauben!
Falsacappa stimmt der Heirat zwischen Fiorella und Fragoletto zu - unter der Bedingung, dass Fragoletlo sich drei Jahre lang den Räubern anschliesst, was dieser nur allzu gerne zu tun bereit ist. Falsacappa ordnet sogleich einen Raubzug an und überlässt Fiorella der Gesellschaft seines Vertrauten Pietro. Dessen Versuche, Fiorella zu unterhalten schlagen fehl: Fiorellas Aufmerksamkeit wird vollständig durch einen vorbei kommenden jungen Mann gefesselt, den Prinzen von Braganza, einen hochnäsigen und weltfremden Adligen, dem allerdings sein erster Kontakt mit dem Volk - in Gestalt von Fiorella -
sehr gut gefällt. Pietro sieht in dem prächtig gekleideten und mit Schmuck behangenen Jüngling nur ein geeignetes Opfer für einen Raubzug und ist entsetzt über Fiorellas Flirt - was wird ihr Bräutigam wohl dazu sagen? Pietro verschwindet, um die Räuber auf lohnende Beute aufmerksam zu machen. Fiorella verhilft dem Prinzen zur Flucht.
Falsacappa und seine Leute kommen zu spät: der Prinz ist nicht mehr da. Voller Zorn verbietet der Räuberhauptmann seiner allzu schnell verliebten Tochter die weitere Teilnahme an Raubzügen; der Neuzugang Fragoletto dagegen scheint sich als ein Naturtalent zu erweisen.
Fragoletto kommt mit den übrigen Räubern. Sie halten einen Kurier gefangen.
SYSTEMSaltarello
CHOR DER RÄUBERDieser Bursche macht uns viel Ehr,
CHOR DER RÄUBERsetzt sich wie ein Löwe zur Wehr,
CHOR DER RÄUBERkühn ist dieser kleine Bandit
CHOR DER RÄUBERund für unsre Bande von Profit.
FRAGOLETTOHauptmann, sieh hier, was ich erstritten,
FRAGOLETTOes ist ein Kabinettskurier!
FRAGOLETTOGanz ungeniert kam er geritten
FRAGOLETTODurch unser grünes Waldrevier.
FRAGOLETTOIn einem Busch lag ich verborgen
FRAGOLETTOUnd liess ihn näher kommen mir.
FRAGOLETTOEr trabt heran ganz ohne Sorgen,
FRAGOLETTObis ich ihn plötzlich attackier,
FRAGOLETTOund da ich nach Banditensitte
FRAGOLETTOihm die Pistole präsentier,
FRAGOLETTOruft er: "Mein Herr, o bitte, bitte,
FRAGOLETTOich bin ein Kabinettskurier!"
CHOREr ist ein Kabinettskurier!
FRAGOLETTOHauptmann, sieh hier, was ich erstritten
usw.
FRAGOLETTOIch bringe dir, was ich erbeutet,
FRAGOLETTOes ist ein Kabinettskurier!
FRAGOLETTOEinmal fühlt ich bangen,
FRAGOLETTOdenn um anzufangen,
FRAGOLETTOist man doch etwas geniert,
FRAGOLETTOwenn Räuber und Bandit man wird.
FRAGOLETTODoch ihr Angedenken
FRAGOLETTOBannte die Bedenken,
FRAGOLETTOund ich sagte: "Einerlei,
FRAGOLETTOist sie doch auch dabei!"
FRAGOLETTOSo zerstreute schnell alle Zweifel
FRAGOLETTOIn meiner Brust die Liebe mir;
FRAGOLETTOGerne trotz ich sogar dem Teufel,
FRAGOLETTOkann ich verweilen hier bei ihr!
FRAGOLETTOWenigstens hoff ich von euch allen,
FRAGOLETTOdass mein Debüt mir Ehre macht!
FRAGOLETTOMit seiner eignen Peitsche Knallen
FRAGOLETTOHab Mann und Ross hierher ich gejagt.
FRAGOLETTOKlick, klack, klick, klack!
CHORKlick, klack!
FRAGOLETTOHauptmann, sieh her, was ich erstritten,
FRAGOLETTOes ist ein Kabinettskurier!
FRAGOLETTOMitsamt dem Ross, das er geritten
FRAGOLETTOUnd dem Gepäck bring ich ihn dir!
FRAGOLETTO, CHORS'ist ein Kurier, sogar ein Kabinettskurier...
FRAGOLETTO… mit dem ich hier heut debütier,
FRAGOLETTOIch hoff, dafür wird Beifall mir!
Unter den Papieren des Kabinettskuriers findet sich eine Geheimdepesche an den Prinzen von Braganza, dem von höchster Stelle die Heirat mit der Prinzessin von Granada aufgetragen wird. Mit dieser Heirat soll die leere Staatskasse gefüllt werden. Allerdings kennt der Prinz seine Zukünftige noch nicht. Deshalb ist der Depesche ein Porträt beigefügt. Und eben dieses Portrait vertauscht Falsacappa gegen das seiner Tochter Fiorella. In Erwartung zukünftigen Reichtums lädt Falsacappa alle zu einem Fest ein.
SYSTEMFinale I
CHORZur Feier ordnen sich die Paare,
CHORein Braver tritt in den Verein.
CHOREr zählet mehr Verdienst als Jahre,
CHORjubelnd sich alles um ihn schare
CHORund singet: Dignus est intrare!
DOMINOBringt nun her die Attribute!
PIETRO, RÄUBERUnd Waffen auch,
PIETRO, RÄUBERja Waffen auch!
FALSACAPPABringet auch Wein her nach altem Brauch,
FALSACAPPAdenn in dem schwarzen Felsen tut
FALSACAPPAjeder sich heut etwas zu gut!
ALLEJa bringt die Attribute!
ALLEBringt alles schnell herbei!
ALLEZur Feier ordnet euch, ihr Paare,
ALLEein Braver tritt in den Verein
usw.
Pietro bringt einen Karabiner, Barbavano einen Hut, Domino einen Dolch und Carmagnola einen Mantel.
FALSACAPPANach den Statuten lasst ihn nun
FALSACAPPAVor allen sein Gelöbnis tun.
FALSACAPPAVerkünd ihm laut und würdevoll,
FALSACAPPAwas er uns hier beschwören soll.
FIORELLAOh auch dies Engagement beschwerlich,
FIORELLAdu bleibst drei Jahr in dem Verein,
FIORELLAund darfst laut den Statuten ehrlich
FIORELLAnur bei der Beuteteilung sein.
FRAGOLETTOIch gelob es!
FIORELLA, RÄUBERNimm den Mantel hin
FIORELLA, RÄUBERUnd dazu den Hut,
FIORELLA, RÄUBERhier nun auch den Dolch,
FIORELLA, RÄUBERendlich das Gewehr.
FIORELLAO wie steht ihm das gut!
FIORELLAJa in der Adjustierung,
FIORELLAda gefällt er mir noch mehr.
FALSACAPPANun gehörest du zum Bunde,
FALSACAPPAund es muss von dieser Stunde
FALSACAPPAUnterschied von mein und dein
FALSACAPPAÜberwundner Standpunkt sein.
FALSACAPPAWas die Finger packen können,
FALSACAPPAdarfst du deine Beute nennen.
FIORELLA, FRAGOLETTOLass dir (Ich lass) keinen Fang entschlüpfen,
FIORELLA, FRAGOLETTOdenn das wäre eine Schand,
FIORELLA, FRAGOLETTOkühn zu rauben, keck zu schnipfen,
FIORELLA, FRAGOLETTOdas gehört zu unserm Stand.
FIORELLAKommt jedoch auf deinen Wegen
FIORELLADir ein schönes Weib entgegen,
FIORELLAnimm ihr Gold und ihr Geschmeid,
FIORELLAaber tu ihr sonst kein Leid.
FALSACAPPAWas die Finget packen können
usw.
FIORELLA, FRAGOLETTODoch (Ich) versuch es nicht, zu knüpfen
FIORELLA, FRAGOLETTOJe ein zärtlich Herzensband.
FIORELLA, FRAGOLETTOAlles andre kannst du (kann ich) schnipfen,
FIORELLA, FRAGOLETTOaber nie ein Liebesband.
FRAGOLETTONur aus Liebe bin geworden
FRAGOLETTOMitglied ich von eurem Orden,
FRAGOLETTOhab mein Meisterstück gemacht
FRAGOLETTOund ihr Herz an mich gebracht.
ALLEWas die Finger packen können,
ALLEdarfst du deine Beute nennen.
FIORELLA, FRAGOLETTODroht man auch, uns aufzuknüpfen,
FIORELLA, FRAGOLETTOnie entsag ich diesem Stand.
FIORELLA, FRAGOLETTOGar zu süss ist es zu schnipfen,
FIORELLA, FRAGOLETTOwenn man solche Beute fand.
FALSACAPPALustig und toll
FALSACAPPAZechet euch voll!
ALLESüss schmeckt ein Kuss im Mondenscheine,
ALLEsind trunken wir von Lieb und Weine.
ALLEJeder umarmt sein Liebchen fein
ALLEIm Mondenschein hei Lieb und Wein
ALLELasst trunken uns selig sein!
Man hört Fanfaren von aussen. Alles hält inne.
PIETROStille doch!
PIETROHört ihr denn nicht?
PIETROSeid still,
PIETROlasst Vorsicht wachen.
PIETROAuf blanken Helmen blitzt des Mondes Licht.
PIETROFALSACAPPA, später ALLE
PIETROJa, er hat recht,
PIETROich höre fern die Stiefel krachen.
PIETROHört, hört die Stiefel trappen,
PIETROsie trappen, sie trappen, sie trapper!
PIETRODer Kapitän, er geht voran,
PIETROer hat die grossen Stiefel an.
PIETRODie grossen Stiefel, sie trappen, sie trappen,
PIETROsie trappen, sie trappen, sie trappen.
PIETROSo stiefelt nur ein Kapitän,
PIETROman kennt es gleich am Gehen!
FRAGOLETTOGilt's einen Kampf,
FRAGOLETTOich bin dabei!
FALSACAPPAStille, Bursche, still, kein Geschrei!
FALSACAPPARäumt alles weg und lasst uns schweigen.
FALSACAPPANur still,
FALSACAPPAvielleicht gehen sie vorbei.
FALSACAPPAGibt es dann Kampf, mögt Mut ihr zeigen;
FALSACAPPAVorläufig lasst uns stille schweigen.
FALSACAPPAJa schweiget ganz still!
ALLEHört, hört die Stiefel trappen,
ALLENur stille!
Alle Räuber verbergen sich hinter den Felsen. Es erscheint der Kapitän mit einem Trupp Soldaten, ohne die Räuber zu bemerken.
KAPITÄNRespekt, denn hier kommt's Militär
KAPITÄNUnd stellet die Sicherheit her.
KAPITÄNDoch trifft uns öfter das Malheur:
KAPITÄNWo wirklich was zu finden wär,
KAPITÄNkommt's Militär zu spät daher!
Der Kapitän und die Soldaten verschwinden; die Räuber zeigen sich wieder.
CHORDie grossen Stiefel trappen,
CHORsie trappen, sie trappen, sie trappen,
CHORder Kap-
unterbricht
FALSACAPPASeid still!
FALSACAPPANoch sind sie nicht weit.
FALSACAPPALasst ihnen zur Entfernung Zeit,
FALSACAPPAund wer singen will,
FALSACAPPAder sing ganz still,
FALSACAPPApiano, piano,
FALSACAPPApianissimo!
kaum hörbar
ALLEHört, hört die Stiefel krachen
usw.
Mit voller Stimme
ALLEFeurig Singen
ALLELasst jetzt erklingen!
ALLEBrausend sich schwingen
ALLEWeit durch die Nacht!
ALLEJauchzet alle, dass es schalle,
ALLEwiderhalle: Freiheit lacht!
SYSTEMZWEITER AKT
Eine feine ländliche Gegend. Links ein grosses Wirtshaus. Es treten auf Pipo, der Gastwirt, Pipa, seine Frau, Pipetta, seine Tochter, sowie zwölf Köche und Küchenjungen. Das Küchenpersonal kommt und geht, der eine mit Flaschen, der andere mit Geflügel, ein Dritter bringt einen Blumenstrauss, usw.
SYSTEMChor
CHORIn den Öfen Feuer brennt,
CHORund gerupft sind Gans und Ent';
CHORwenn die Gäste kommen nun,
CHORkönnen sie sich gütlich tun.
PIPOIhr, die mir treu stets ins Verein,
PIPOihr Köche alle, gross und klein,
PIPOheut hoff ich, und mehr sag ich nicht,
PIPOdass jeder tue seine Pflicht.
PIPA, PIPETTAJa, jeder tue seine Pflicht!
ALLEIn den Öfen Feuer brennt
usw.
Pipos Gastwirtschaft liegt an der spanisch-portugiesischen Grenze. Heute erwartet man die Gesandtschaft von Granada und den Hofstaat von Braganza. Pipo schärft der Familie und dem Personal noch einmal die für diese Gelegenheit drastisch erhöhten Preise ein. Da tauchen Unbekannte auf - Bettler, so scheint es; in Wahrheit sind es die Räuber.
SYSTEMCanon
PIETRO, FRAGOLETTOHört uns flehn voll Zagen
PIETRO, FRAGOLETTOum ein Stückchen Brot.
PIETRO, FRAGOLETTOLeer ist unser Magen,
PIETRO, FRAGOLETTOo du lieber Gott!
PIETRO, FRAGOLETTOFacitate caritatem,
PIETRO, FRAGOLETTOdate panem, date panem,
PIETRO, FRAGOLETTOgebt uns ein Stückchen Brot!
In diesen mehrmals wiederholten Gesang stimmen nach und nach alle Räuber ein.
Die Räuber geben sich zu erkennen und sperren Pipo und seine Familie ein. Falsacappa enthüllt seinen Plan: die Räuber verkleiden sich als Wirt und Personal der Gastwirtschaft. So wollen die falschen Köche und Kellner die Prinzessin von Granada mit ihrem Gefolge empfangen, die auf dem Weg nach Braganza Station macht. Laut Plan soll es dann einen weiteren Kleidertausch geben: die Räuber nehmen die hohem Gäste gefangen und ziehen sich deren Kleider an. Als Hofstaat von Granada verkleidet soll die Räuberbande dann nach Braganza weiterreisen, an der Spitze Fiorella als Prinzessin von Granada. Dort wollen sich die Räuber die versprochene Anleihe von drei Millionen auszahlen lassen.
SYSTEMChor
FALSACAPPAZu mir hierher, ihr Köche all,
FALSACAPPAdas ganze Küchenpersonal!
FRAGOLETTO, FALSACAPPA, PIETROHierher, hierher, ihr Köche all,
FRAGOLETTO, FALSACAPPA, PIETROdas ganze Küchenpersonal!
Die übrigen Räuber treten auf, als Köche verkleidet, aber bis an die Zähne bewaffnet.
CHORWir kommen schon,
CHORda sind wir schon,
CHORes ist ein Spass zum lachen.
CHORSchaut uns nur an
CHORUnd saget dann,
CHORob wir nicht gut uns machen.
Falsacappa gibt letzte Anweisungen für die geplante Maskerade. Der hohe Besuch kündigt sich an.
SYSTEMDIE RÄUBER, FIORELLA, FRAGOLETTO, FALSACAPPA, PIETRO
CHORSeid auf der Hut,
CHORspielet eure Rollen jetzt gut.
CAMPOTASSOWie diese Leute ausschaun,
CAMPOTASSOfast möchte man ihnen misstrauen,
CAMPOTASSOdas Personal hier fürwahr
CAMPOTASSOscheint mir etwas sonderbar.
DIE RÄUBERSeid auf der Hut,
DIE RÄUBERspielt eure Rollen jetzt gut!
Campotasso mit dem Kapitän treten ganz in den Vordergrund.
SYSTEMCouplet
CAMPOTASSOBeide wurden wir heute früh
CAMPOTASSOZu Seiner Hoheit hinbefohlen;
CAMPOTASSODer Fürst sprach gnädig: Gehen Sie,
CAMPOTASSOum die Prinzessin einzuholen.
KAPITÄNDie Prinzessin einzuholen!
CAMPOTASSOBei dem Empfang ich's passend fänd,
CAMPOTASSOdass kombiniert vertreten wäre
CAMPOTASSOsowohl ziviles Element
CAMPOTASSOals auch die Herrn vom Militäre.
KAPITÄNIch bin beim MiIitäre.
ALLEBeim Militäre!
ALLECAMPOTASSO, KAPITÄN, dann ALLE
ALLEAuf diese Art würd ohne Zwang
ALLEDie Kommission organisieret,
ALLEdie die Prinzessin heim Empfang
ALLEan unsern Hof introduzieret.
CAMPOTASSOUnd wenn ich's überlege auch,
CAMPOTASSOmuss unserm Fürsten Recht ich gehen.
CAMPOTASSOEr fordert etwas für das Aug
CAMPOTASSOUnd stellt Intelligenz daneben.
KAPITÄNJa, Intelligenz daneben!
CAMPOTASSODass seiner Braut es gleich beweist,
CAMPOTASSOwie man nicht bloss auf Äussres schauet,
CAMPOTASSOso wählt man einen Mann von Geist
CAMPOTASSOund einen, der sehr wohl gebauet.
KAPITÄNIch bin's, der wohl gebauet.
ALLEEr ist's, der wohl gebauet!
ALLESehr wohl gebauet!
ALLECAMPOTASSO, KAPITÄN, dann ALLE
ALLEAuf diese Art würd ohne Zwang
usw.
Falsacappa begrüsst, als Wirt verkleidet, Campotasso und den Kapitän, der damit prahlt, den gefährlichen Räuberhauptmann Falsacappa ein für allemal unschädlich gemacht zu haben. Die Prinzessin nähert sich. Falsacappa bittet die Herren ins Wirtshaus.
SYSTEMChor
FIORELLA, FRAGOLETTO, FALSACAPPAA, DIE RÄUBERSchnell hinein, schnell hinein!
FIORELLA, FRAGOLETTO, FALSACAPPAA, DIE RÄUBERSchnell nun dort hinein!
FIORELLA, FRAGOLETTO, FALSACAPPAA, DIE RÄUBERGenug nun mit den Zierereien!
FIORELLA, FRAGOLETTO, FALSACAPPAA, DIE RÄUBERFort, fort, hinein!
CAMPOTASSO, KAPITÄN, EHRENDAMEN, PAGENWelch ein Schrei'n!
CAMPOTASSO, KAPITÄN, EHRENDAMEN, PAGENWie gemein!
CAMPOTASSO, KAPITÄN, EHRENDAMEN, PAGENStosst uns nicht hinein!
CAMPOTASSO, KAPITÄN, EHRENDAMEN, PAGENWas soll das sein?
CAMPOTASSO, KAPITÄN, EHRENDAMEN, PAGENWozu dies Schrei'n?
Unter komischem Herumstossen wird endlich Campotasso mit den Seinen ins Haus gedrängt.
Die Räuber treten mit hinein. Jetzt erscheint der Hofstaat der Prinzessin von Granada: der Kammerherr, der Hofmeister, der Page, vier Kavaliere, vier Hofdamen und die Prinzessin.
CHORGranada, das ganz Spanien preiset,
CHORdu bleibst dem Herzen ewig nah.
CHORSind wir von dir auch abgereiset
CHORVor vierzehn Tagen schon beinah.
ADOLFHoldeste Prinzessin, euch muss ich lassen,
ADOLFach zum Scheiden schlägt bald die Stund.
PRINZESSINMeinen künftgen Gatten muss ich schon hassen,
PRINZESSINtrennt er grausam doch unsern Bund.
CHORGranada, das ganz Spanien preiset,
CHORdu bleibst dem Herzen ewig nah.
Graf von Gloria-Cassi, der Kammerherr der Prinzessin, bereitet seine Herrin auf ihre patriotischen Pflichten als Spanierin in Portugal vor.
GLORIA-CASSISHabt bisher Ihr immer besessen
GLORIA-CASSISnur ein einziges Vaterland,
GLORIA-CASSISallerholdeste der Prinzessen,
GLORIA-CASSISjetzt habt zwei Ihr vor der Hand.
GLORIA-CASSISZieht ihr jetzt zu den Portugiesen
GLORIA-CASSISIn Euer Vaterland Nummer Zwei,
GLORIA-CASSIShabt Ihr uns doch längst schon bewiesen,
GLORIA-CASSISdass Ihr Spanierin bleibt dabei.
GLORIA-CASSISWohl manche Leut meinen Spanier zu sein,
GLORIA-CASSISweil sie geboren in Spanien allein.
GLORIA-CASSISWir nennen Spanier uns nicht bloss zum Schein,
GLORIA-CASSISspanische Rasse sind wir echt und rein.
GLORIA-CASSISDoch gibt's Leut, die in Spanien geboren allein,
GLORIA-CASSISund die brauchen darum noch nicht Spanier zu sein.
GLORIA-CASSISDoch alle die Leute, alle die Leute,
GLORIA-CASSISalle die Leute nennt man heute
GLORIA-CASSISSpanier, o nein!
mit Chor
GLORIA-CASSISEs gibt Leut, es gibt Leut,
GLORIA-CASSISdie gern Spanier auch wären
GLORIA-CASSISund sind davon sehr weit!
GLORIA-CASSISHabt die Macht dazu Ihr in Händen,
GLORIA-CASSISso gebietet die Politik,
GLORIA-CASSISrecht viel Geld den Spaniern zu spenden,
GLORIA-CASSISzu platzieren sie mit Geschick.
GLORIA-CASSISFür die Landsleut dürft Ihr kreieren
GLORIA-CASSISStellen und Ämter, o glaubet mir!
GLORIA-CASSISWenn die Leut auch dort räsonnieren,
GLORIA-CASSISSpanier wissen Dank euch dafür.
GLORIA-CASSISWohl manche Leut meinen Spanier zu sein
usw.
Die Prinzessin und ihr Gefolge wundern sich, dass kein portugiesisches Empfangskomitee an der Grenze auf sie wartet. Auch die Wirtsleute - in Wahrheit lie verkleideten Räuber - scheinen wenig von vornehmen Sitten zu verstehen. Die Prinzessin wirft ein Auge auf Fragoletto, den sie gerne als Pagen zu ihrem Begleiter machen würde. Ebenso ist Fiorella angetan von Adolf, dem Pagen der Prinzessin.
Als Fiorella - als Köchin verkleidet - und Fragoletto - als Wirt - sich der Prinzessin als Liebespaar vorstellen, will diese sogleich erfahren, wie es ist, wenn sich zwei einfache Menschen aus dem Volk ineinander verlieben. Solche Gefühle darf eine Prinzessin nämlich nicht ohne Weiteres ausleben!
SYSTEMLied
FIORELLAFürwahr seltsam scheint mir diese Frage,
FIORELLAund ich bin verlegen, wie ich's beschrieb'.
FIORELLAIch schaut ihn an, und seit jenem Tage
FIORELLABeseelt mich der Wunsch: ach wär ich sein Weib!
FIORELLADoch ach, für dies Gefühl
FIORELLAMein Herz keine Deutung mir gibt:
FIORELLAWeiss man wohl je, warum man liebt?
FIORELLA, FRAGOLETTO, PRINZESSIN, ADOLFWeiss man wohl je, warum man liebt?
FIORELLAIch sah ihn, nod ein wonniges Glühen
FIORELLADurchströmte die Brust in dem Augenblick;
FIORELLADa fühlt ich klar: Durch ihn muss mir blühen
FIORELLAAuf Erden das höchste, das einzge Glück!
FIORELLADoch ach, für das Gefühl
FIORELLAMein Herz keine Deutung mir gibt.
FIORELLAWeiss man wohl je, warum man liebt?
FIORELLA, FRAGOLETTO, PRINZESSIN, ADOLFWeiss man wohl je, warum man liebt?
Falsacappa bittet die Gesellschaft nun ins Wirtshaus. Als die Prinzessin und ihr Gefolge dankend ablehnen, wird er deutlicher: er besteht darauf!
CHOR DER RÄUBERSchnell hinein,
CHOR DER RÄUBERschnell nun dort hinein!
CHOR DER RÄUBERGenug nun mit den Ziererein!
CHOR DER RÄUBERFort, fort, hinein!
CHOR DER RÄUBERPRINZESSIN, ADOLF, GLORIA-CASSIS und die SPANIER
CHOR DER RÄUBERWelch ein Schrei'n!
CHOR DER RÄUBERWie gemein!
CHOR DER RÄUBERStosst uns nicht hinein!
CHOR DER RÄUBERWas soll das sein?
Während dieses Ensembles wird die ganze Gesellschaft der Spanier von den Räubern ins Haus gedrängt.
FALSACAPPASo, jetzt gehen Sie in Ihre Gemächer,
FALSACAPPAlegen sich nieder und schlafen. In einer Viertelstunde
FALSACAPPAöffnen wir mit unseren Dietrichen die Türen,
FALSACAPPAnehmen Ihre Kleider, und dann -
ALLEUnd dann?
ALLEFIORELLA, FRAGOLETTO, FALSACAPPA, DOMINO, BARBAVANO, CARMAGNOLA, PIETRO Stille, ganz ohne Sang und Klang
ALLEGeht's an den Hof nun auf den Fang.
ALLENein, uns're Taschen sind nicht klein,
ALLEwir stecken drei Millionen ein!
FALSACAPPAPietro, du stellst den Hofmeister vor!
PIETROIch spiel' ihn gut!
FALSACAPPADu spielst ihn gut.
FALSACAPPAUnd ihr, Gefährten, spielt im Chor
FALSACAPPADie span'schen Herren von minderer Bedeutung.
CARMAGNOLA, BARBAVANO, DOMINOWir spielen sie.
FALSACAPPADoch spielt sie gut!
DIE DREI RÄUBERWir folgen, Hauptmann, deiner Leitung!
FIORELLAUnd ich?
FALSACAPPADu spielest die Prinzessin!
FRAGOLETTOUnd ich?
FALSACAPPADu sollst den Pagen spielen.
CARMAGNOLA, PIETRO, DOMINO, BARBAVANODen Pagen!
freudig
FIORELLAIch spiele die Prinzessin.
ebenso
FRAGOLETTOIch darf den Pagen spielen.
FIORELLAAch meinn lieber Page!
FRAGOLETTOHimmlische Prinzessin!
FIORELLANur recht zart und fein.
FRAGOLETTOUnd recht zärtlich spielen.
FIORELLAMir ergeben sein.
FRAGOLETTOHeisse Liebe fühlen.
FALSACAPPA, DIE RÄUBERDas ist charmant,
FALSACAPPA, DIE RÄUBERso ist's charmant!
FALSACAPPADoch nun genug mit diesem Tand!
ALLEStille, ganz ohne Sang und Klang
ALLEGeht's an den Hof nun auf den Fang.
ALLENein, unsre Taschen sind nicht klein,
ALLEwir stecken drei Millionen ein.
ALLEStille, ganz ohne Sang und Klang
ALLEGeh'n wir auf den Millionenfang.
ALLEAuf den Fang!
Lärm aus dem Keller
spricht
FALSACAPPATeufel, das sind die Dragoner! Die haben wir ganz vergessen!
auf dem Balkon erscheinend
GLORIA-CASSISWas für ein Lärm, was für ein Chor?
GLORIA-CASSISSagt, was geht denn da unten vor?
PIETRODas ist nichts!
GLORIA-CASSISNein, nein, nein!
GLORIA-CASSISEs muss etwas sein!
Domino, Carmagnola, Barbavano gehen nach rechts, die vier Damen nach dem Hintergrund. Pipo kommt ganz verstört aus dem Kellerloch; er ist in Hemdsärmeln und Unterhosen.
PIPOHolla, holla! Zu Hülfe her!
FALSACAPPAFührt auch noch den der Teufel her?!
PIPOJa, er ist da! Er ist Falsacappa!
Falsacappa stösst ihn zu den drei Räubern hinüber, die ihn einschliessen.
auf dem Balkon, schreiend
GLORIA-CASSISFalsacappa! Falsacappa!
verschwindet
Pipo packend
DIE DREI RÄUBERSagst du noch ein Wort, so bring ich dich um!
zitternd
PIPOIch bin schon stumm!
Die Prinzessin, Adolf, der Hofmeister, Gloria-Cassis und die Spanier kommen aus dem Hause und fliehen nach rechts. Die Räuber nehmen die linke Seite.
DIE SPANIERFalsacappa! Falsacappa!
DIE SPANIERDer Schreckensnamen, wer nannte ihn da?
ADOLFPrinzessin, auch Ihr seid um die Ruhe gekommen?
ADOLFWeshalb muss so in Angst ich hier Euch seh'n?
PRINZESSINHabt Ihr denn den Lärm nicht vernommen?
ADOLFWas ist da im Keller gescheh'n?
DIE SPANIERWer riet denn da "Falsacappa"?
GLORIA-CASSISWir glaubten ja, er sei schon nah!
FALSACAPPAWie kommt Ihr auf Falsacappa?
DIE RÄUBERWie kommt Ihr auf Falsacappa?
FALSACAPPANiemand ihn sah!
FALSACAPPAEr ist nicht da!
FALSACAPPAWer hat ihn erkannt?
FALSACAPPAWer hat ihn genannt?
DIE RÄUBERNiemand ihn sah?
DIE RÄUBEREr ist nicht da!
DIE RÄUBERWer hat ihn erkannt?
DIE RÄUBERWer hat ihn genannt?
FALSACAPPAKeiner hat ihn genannt,
FALSACAPPAkeiner hat ihn erkannt,
FALSACAPPAdrum alle Furcht verbannt,
FALSACAPPAunbesorgt, vor der Hand!
ALLEKeiner hat ihn genannt,
ALLEkeiner hat ihn erkannt,
ALLEdrum alle Furcht verbannt,
ALLEunbesorgt vor der Hand.
ALLEDie Furcht verbannt,
ALLEer ist nicht da,
ALLEnein, nein!
auf dem Balkon erschienen, ganz in Unterkleidern, schreiend, auf Falsacappa deutend
CAMPOTASSODer in der Mitte steht, der Grosse, das ist Falsacappa!
Die Spanier stehen vor Schrecken starr. Von allen Seiten treten die übrigen Räuber auf und bringen für die auf der Bühne befindlichen Räuber Karabiner mit.
zu Campotasso, der auf dem Balkon steht
FALSACAPPANicht gern hab den off'nen Kampf ich Euch erkläret,
FALSACAPPAdoch da Ihr, Exzellenz, nicht höret
FALSACAPPAund mein Inkognito zerstöret:
zu den Spaniern
FALSACAPPAJa, dieser Mann, er sprach nur wahr,
FALSACAPPAund frei bekenn' ich es offenbar:
FALSACAPPAIch bin der Räuber, ich bin da!
FALSACAPPAFalsacappa!
zu seinen Räubern, auf die Spanier weisend
FALSACAPPANun fesselt mir die Leute da!
zitternd auf die Knie sinkend
DIE SPANIERFalsacappa!
FALSACAPPABewacht his morgen früh
FALSACAPPAMit grösster Sorgfalt sie,
FALSACAPPAund wir indessen geh'n
FALSACAPPAnach den Millionen seh'n!
DIE RÄUBERBewacht his morgen früh
DIE RÄUBERMit grösster Sorgfalt sie,
DIE RÄUBERund wir indessen geh'n
DIE RÄUBERnach den Millionen seh'n!
zu den Spaniern
FALSACAPPAZittern, zittern
FALSACAPPASollt entsetzt
FALSACAPPAIhr doch zuletzt!
FALSACAPPAUns're Dolche
FALSACAPPASind gewetzt,
FALSACAPPAdrum zittert jetzt!
DIE RÄUBERZittern, zittern
DIE RÄUBERSollt entsetzt
DIE RÄUBERIhr doch zuletzt!
DIE RÄUBERUnsre Dolche
DIE RÄUBERSind gewetzt,
DIE RÄUBERdrum zittert jetzt!
kniend
DIE SPANIERZittern, Zittern
DIE SPANIERFasst entsetzt
DIE SPANIERUns alle jetzt.
DIE SPANIERIhre Dolche
DIE SPANIERSind gewetzt,
DIE SPANIERaus ist es jetzt!
wieder auf dem Balkon, kniend
CAMPOTASSOHört, Freunde, hört, was ich habe gefunden:
CAMPOTASSODie Hilfe nahet euch diesmal von unten!
CAMPOTASSOIm Keller hab' ich Champagner entdeckt,
CAMPOTASSOund auch viel tapf're Soldaten versteckt!
verschwindet
FALSACAPPAIhr wollet Kampf? Wohlan, kommt heran!
FALSACAPPAHa, wir steh'n unsern Mann!
DIE RÄUBERIhr wollet Kampf? Wohlan, kommt heran!
DIE RÄUBERHa, wir steh'n unsern Mann!
einen Degen in der Hand
CAMPOTASSOSie sind da,
CAMPOTASSOnur voran!
Die Dragoner, nur in Hosen und Stiefeln, trinken mit den Räubern, umarmen sich usw.
DIE DRAGONERRespekt, denn hier kommt's Militär
DIE DRAGONERUnd stellet die Sicherheit her.
freudig
traurig
DIE SPANIERDoch trifft sie öfter das Malheur:
DIE SPANIERWo wirklich was zu finden wär',
DIE SPANIERkommt's Militär zu spät daher.
FALSACAPPADie Herren sind betrunken schwer
FALSACAPPAUnd sind uns feindlich jetzt nicht mehr!
ALLE RÄUBERHahaha -
REPRISE DES ENSEMBLESZittern, zittern
REPRISE DES ENSEMBLESSollt ihr entsetzt,
REPRISE DES ENSEMBLESihr noch zuletzt!
REPRISE DES ENSEMBLESUnsre Dolche
REPRISE DES ENSEMBLESSind gewetzt,
REPRISE DES ENSEMBLESdrum zittert jetzt!
REPRISE DES ENSEMBLESDie Dragoner haben sich heim Wein ergötzt
REPRISE DES ENSEMBLESUnd sind gänzlich unzurechnungsfähig jetzt.
REPRISE DES ENSEMBLESDa zittern wir nicht sehr,
REPRISE DES ENSEMBLESdenn immer haben sie Malheur!
DIE SPANIERWir zittern nimmer mehr
DIE SPANIERVor diesem Militär!
DIE SPANIERUnsre Retter sind betrunken jetzt!
DIE RÄUBERHabt uns die Dragoner auf den Hals gehetzt!
dazwischen
DIE BETRUNKENEN DRAGONERWir sind die Herrn vom Militär,
DIE BETRUNKENEN DRAGONERwir haben leider oft Malheur:
DIE BETRUNKENEN DRAGONERWo wirklich was zu finden wär,
DIE BETRUNKENEN DRAGONERkommt's Militär zu spät daher!
DIE RÄUBERHa, das ist ein Spass, der uns wahrlich ergötzt!
DIE SPANIERHoffnung haben wir auf sie gesetzt!
DIE SPANIERWir sind entsetzt,
DIE SPANIERwir zittern jetzt!
DIE SPANIERDas Militär
DIE SPANIERHilft uns nicht mehr!
DIE RÄUBERJa, zittert jetzt!
DIE RÄUBERDas Militär
DIE RÄUBERhilft euch nicht mehr!
SYSTEMDRITTER AKT
Das Palais des Prinzen van Braganza. Ein weiter, reich geschmückter Saal. Eine gedeckte Tafel, ein kleiner Tisch, ein Fauteuil.
Der Prinz von Braganza, die Marquise, die Herzogin und die Hofdamen haben das Souper beendet. Der Prinz ist der einzige Mann, um ihn her sind lauter Damen gruppiert. Pagen und Dienerschaft in der Galerie im Hintergrund.
HERZOGIN, MARQUISEEs nahet Aurora heut wie immer,
HERZOGIN, MARQUISEdoch dieses Nah'n uns traurig macht,
HERZOGIN, MARQUISEdenn ach, mit dieses Lichtes Schimmer
HERZOGIN, MARQUISEentschwand seiner Freiheit letzte Nacht.
MARQUISEKeine Dame amHofe verfehlet,
MARQUISEwie sie erfüllet von Leid und Harm.
HERZOGINUnser Prinz, ach, er wird vermählet,
HERZOGINman reisst ihn aus unserem Arm.
ALLEEr wird vermählet
ALLEZwar nahet Aurora heut wie immer
usw.
aufstehend
PRINZIhr hört ja gern ein Lied;
PRINZIch geb euch eins zum Besten,
PRINZdas mir scheint wie gemacht
PRINZfür meine Situation.
sich ebenfalls erhebend
DIE DAMENJa, singet, holder Prinz!
DIE DAMENDer Sang soll uns trösten.
DIE DAMENWie linder Balsam wirkt
DIE DAMENEurer Stimme Ton!
DIE DAMENO singt, wir lauschen schon
DIE DAMENAuf Eurer Stimme Ton!
Alle kommen nach vorn. Die Diener räumen den Tisch fort.
SYSTEMCouplet
DER PRINZEinst herrscht' in fernen Landen
DER PRINZein liebenswürd'ger Prinz.
DIE DAMENEin liebenswürd'ger Prinz!
PRINZFür den gar warm empfanden
PRINZDie Damen der Provinz.
DIE DAMENDie Damen der Provinz!
PRINZUnd eine von den Vielen,
PRINZdie Liebe ihm gezollt,
PRINZdurchaus von den Gefühlen
PRINZihm Kunde bringen wollt'.
PRINZToc, toc, toc -
PRINZÖffnet, Prinz, ich bitte schön,
PRINZruft "Herein" doch, wenn's beliebt.
PRINZToc, toc, toc -
PRINZLasst die Frau nicht draussen steh'n,
PRINZdie Euch gar so zärtlich liebt.
den Prinzen umringend
DIE DAMENÖffnet, Prinz, ich bitte schön,
DIE DAMENruft "Herein" doch, wenn's beliebt.
DIE DAMENToc, toc, toc -
DIE DAMENLasst die Frau nicht draussen steh'n,
DIE DAMENdie Euch gar so zärtlich liebt.
DER PRINZ"Madame", sagt er dagegen
DER PRINZ"es tut mir wirklich leid."
DIE DAMEN"Es tut mir wirklich leid!"
PRINZ"Ihr kommt sehr ungelegen:
PRINZVermählt hab' ich mich heut!"
DIE DAMEN"Vermählt hab' ich mich heut!"
PRINZ"Ich tat der Lieb' entsagen,
PRINZbin treuer Ehemann."
PRINZ"Gut", sagt sie, "in acht Tagen
PRINZklopf' ich dann wieder an!"
PRINZToc, toc, toc -
PRINZÖffnet, Prinz, ich bitte schön,
PRINZruft "Herein" doch, wenn's beliebt.
PRINZToc, toc, toc -
PRINZLasst die Frau nicht draussen steh'n,
PRINZdie Euch gar so zärtlich liebt.
DIE DAMENÖffnet, Prinz, ich bitte schön
usw.
Die Damen bedauern des Prinzen Vermählung ausserordentlich.
Der Prinz weiss: Aus solch tiefer Trauer lassen sich die Damen nur mit Geld ablenken. Er ruft nach seinem Zahlmeister. Sogleich heitert sich die Stimmung auf. Der Prinz zeigt den Damen das Porträt seiner Zukünftigen und bemerkt verwundert die Ähnlichkeit mit dem jungen Mädchen aus dem Volk, das er vor kurzem bei seinem Ausflug im Wald getroffen hat.
Antonio, des Prinzen Zahimeister, erscheint. Der Prinz erkundigt sich nach den Staatsfinanzen. Antonio versichert, alles sei in schönster Ordnung. So gibt der Prinz Auftrag, seinen Damen zum Trost Geschenke zu machen: Garderobe, ein kleines Landhaus und üppiges Taschengeld. Antonio bleibt allein zurück. Er hat ein Problem, und zwar schon seit geraumer Zeit: Der Hofstaat ist pleite, die Kassen sind leer. Für die üppigen Ausgaben hat Antonio schon längst Kredite und Anleihen aufgenommen und dem Prinzen die wahre Finanzsituation verschwiegen; aber irgendwann wird sein Schwindel auffliegen! Antonio erinnert sich, wie er zum ersten Mal die Bücher fälschte und sich aus der Staatskasse bediente. Aber für wen verschulden sich die Männer denn? Natürlich nur für die Frauen!
SYSTEMLied
ANTONIOSagt mir ein Weib, dass es mich liebe,
ANTONIOlächelt rosig mir die Welt.
ANTONIOKann ich dafür, dass diese Triebe
ANTONIOKosten so ein Heidengeld?
ANTONIOImmer musst' ich geben und schenken,
ANTONIOaus der Kasse nahm ich's mir zu leih'n.
ANTONIOKamen mir auch manchmal Bedenken,
ANTONIOimmer griff ich wieder frisch hinein.
ANTONIOS'ist nicht ganz legal,
ANTONIOdas gestehe frei ich ein,
ANTONIOdoch könnt' ich's noch einmal,
ANTONIOwürd' ich grad so sein.
ANTONIOS'ist mal meine Schwäche,
ANTONIOdie muss man mir verzeih 'n!
ANTONIOAch, leider sind die holden Dämchen
ANTONIOSo interessiert wie interessant,
ANTONIOsie sind famose Zeitvertreiber,
ANTONIOdoch die Kosten sind a Schand'!
ANTONIOKämen plötzlich einst Revisionen,
ANTONIOdie Defekte würden konstatiert,
ANTONIOmüsste man doch christlich mich schonen,
ANTONIOdenn nur Liebe hat mich ruiniert.
ANTONIOEs ist ein Skandal,
ANTONIOdas gestehe frei ich ein
usw.
Antonio entdeckt ein Stück Papier auf dem Boden: eine gute Gelegenheit, es zu bedrucken und als Banknote auszugeben; und zwar als Anzahlung auf die drei Millionen, die beim Empfang der Braut fällig werden. Die Hofgesellschaft kehrt zurück.
SYSTEMEnsemble
CHORSeht die Prinzessin mit dem Pagen nah 'n
CHORso huldreich und so anmutsvoll.
CHORSchöner ist sie, als wir es uns versahen;
CHORIhr gebührt des Beifalls Zoll.
Währendessen tritt die als Gesandtschaft verkleidete Räubergesellschaft ein. Alle sind etwas sorgfältiger gekleidet als vorher, haben aber immer noch ein abenteuerliches Aussehen: Falsacappa als Gloria-Cassis, Pietro als Hofmeister; Fiorella als Prinzessin von Granada, Fragoletto als Page, der Prinzessin Schleppe tragend, die vier Mädchen Fiametta, Zerlina, Cincinella und Bianca als vier Pagen, die anderen Räuber als spanische Edelleute.
aufstehend und Fiorella erblickend
PRINZSie ist es!
FIORELLAEr ist's!
erstaunt, für sich
FRAGOLETTOEr kennet sie, sie kennet ihn
FRAGOLETTOUnd beid' erschraken, wie mir schien.
für sich
DIE RÄUBERNichts kann uns gescheh'n.
DIE RÄUBERWas wir uns ersehen,
DIE RÄUBERwird uns nicht entgehen,
DIE RÄUBERspielen wir geschickt.
DIE RÄUBERVorsicht gilt es heute.
DIE RÄUBERSchnell mit unsrer Beute
DIE RÄUBERSuchen wir das Weite,
DIE RÄUBERwenn der Spass uns glückt.
CHOR DER HOFLEUTEWelche Ambassade
CHOR DER HOFLEUTEMacht tins hier Parade,
CHOR DER HOFLEUTEsolche Maskerade
CHOR DER HOFLEUTEhab' ich nie erblickt.
CHOR DER HOFLEUTEDiese Spanier führen
CHOR DER HOFLEUTESeltsame Manieren,
CHOR DER HOFLEUTEund sie kostümieren
CHOR DER HOFLEUTEsich sehr ungeschickt.
Fiorella betrachtend
PRINZWie kann das geschehen?
PRINZSie muss ich hier sehen,
PRINZdie auf wald'gen Höhen
PRINZgestern mich entzückt.
PRINZWar das Maskerade,
PRINZoder ist es grade
PRINZdiese Ambassade,
PRINZdie so ungeschickt?
FIORELLAWehe uns, wie schade,
FIORELLAunsrer Maskerade
FIORELLAdroht Entdeckung grade,
FIORELLAda es fast geglückt.
FIORELLAWie ungeschickt,
FIORELLAdass er mich wieder hier erblickt!
FRAGOLETIOWas hier auch geschehen,
FRAGOLETIObald werde ich's erspähen.
FRAGOLETIOEr hat sie gesehen,
FRAGOLETIOsie hat ihn erblickt!
FALSACAPPA, DIE RÄUBERNichts kann uns geschehen
usw.
DER HOFWelche Ambassade
usw.
leise zu Falsacappa
FIORELLAEr ist's!
beiseite
PRINZSie ist's wirklich!
FIORELLAO Vater, hör mich an!
FIORELLAVerderblich wär' es, hier noch zu weilen!
FALSACAPPAWie? Fortgehen? Und warum?
FIORELLADies ist der junge Mann,
FIORELLAden ich gestern liess enteilen.
FALSACAPPADer Prinz ist's selbst?
FIORELLAJa, sicherlich,
FIORELLAund auch er erkannte mich.
FALSACA PPAO das ist störend, äusserst störend.
FIORELLAEr betrachtet mich fortwährend.
FALSACAPPADie Geschichte ist sehr störend.
FRAGOLETTOJa, es macht mir Sorgen,
FRAGOLETTOwas hier liegt verborgen.
FRAGOLETTODass sie sich geseh'n,
FRAGOLETTOkann mir nicht entgeh'n!
FALSACAPPADas ist wahrlich schade,
FALSACAPPAer hat sie geseh'n.
FALSACAPPAUnsre Maskerade
FALSACAPPAWird zu Ende geh'n.
FIORELLADass wir uns geseh'n,
FIORELLAwird ihm nicht entgeh'n.
FIORELLAWas soll nun gescheh'n?
DIE RÄUBERDie Millionen dürfen
DIE RÄUBERNimmer uns entgeh'n!
Der verkleidete Falsacappa erbittet vom Zahlmeister Antonio die drei Millionen. Antonio hat nichts ausser einem gefälschten Geldschein anzubieten.
SYSTEMFinale III
FALSACAPPASpitzbube du, Halunke, Schuft!
Er hebt Antonio in die Höhe und wirft ihn auf den Tisch.
schreiend
ANTONIOO weh, zu Hilfe!
Durch die drei Türen im Fond kommen zugleich Pietro, Carmagnola, Domino und Barbavano hereingestürzt.
ALLE VIERWas gibt's, wer ruft?
Falsacappa hat Antonio losgelassen, der schnell auf die rechte Seite flüchtet.
zu den Räubern
FALSACAPPADie drei Millionen!
FALSACAPPAEr hat sie nicht mehr!
DIE RÄUBEREr hat sie nicht mehr?
ALLE FÜNFHa, dreifacher Schuft, das büssest du schwer!
schreiend
ANTONIOZu Hülfe! Kommt zu Hülfe her!
FALSACAPPABüssen sollst du's schwer!
Die drei Türen des Hintergrundes öffnen sich.
PRINZWas soll der Lärm, was soll das Schrei'n?
CHORWas soll der Lärm, was soll das Schrei'n?
ANTONIOMan will mich erwürgen, kommt mich befreien!
FALSACAPPAEr ist ein Dieb, der elende Wicht!
DIE RÄUBEREr ist ein Dieb, ein elender Wicht!
DIE RÄUBERDie drei Millionen zahlt er uns nicht!
zum Prinzen, auf Falsacappa deutend
ANTONIODieser Mensch ist verrückt!
ANTONIOHört ihn nicht mehr!
zum Prinzen
FALSACAPPAEures Kassierers Kasse ist leer!
zu Antonio
PRINZIst es wahr, was ich hör'?
ANTONIOO mein Prinz, ich erklär -
PRINZSo erklärt ohne Zögern mir, -
Man hört von ferne Kastagnetten klingen.
ANTONIOStill! Was ertönet dort? Höret ihr?
ALLEHöret ihr?
Durch die Mitteltür erscheinen: der Kapitän, Gloria-Cassis, die Prinzessin, Adolf, Campotasso, der Hofmeister und die Dragoner. Alle schreiten mit drohenden Mienen und erhobenen Armen auf die Räuber zu, welche starr vor Schrecken sind. Dieses geschieht während des folgenden Ensembles.
ALLEDIE SPANIER und DRAGONER
ALLEZwar gibt's Leut', die woll'n Spanier sein,
ALLEdoch sind Spanier sie bloss zum Schein!
ALLEWir sind Spanier nicht bloss zum Schein,
ALLEspan'scher Rasse sind wir, echt und rein!
zum Prinzen
PRINZESSINSeht in mir die Prinzessin!
PAGE ADOLFUnd ich, ich bin der Page!
DIE SPANIERWir war'n gefangen all'
auf die Räuber deutend
DIE SPANIERvon der Bagage!
zum Kapitän
PRINZDoch wenn ihr die Rechten seid,
auf die Räuber deutend
PRINZwer sind denn diese da?
CAMPOTASSOS'ist die Bande des Falsacappa!
Falsacappa die Hand auf die Schulter legend
KAPITÄNUnd er selbst, der Bandit, er ist da!
ALLEFalsacappa! Falsacappa!
Die Dragoner stellen sich hinter die Räuber, welche niederknieen, ausser Pietro und Falsacappa.
beiseite
DIE RÄUBERUnser Streich misslingt,
DIE RÄUBERnichts mehr Hilfe bringt,
DIE RÄUBERsicher nun der Galgen uns winkt!
DIE ANDERENJa, der Streich misslingt,
DIE ANDERENnichts mehr Rettung bringt!
PRINZGleich werde euch euer Lohn zuteil.
FALSACAPPAO bitte, das hat keine Eil'!
PRINZDie ganze saubre Gesellschaft dort:
PRINZHängt sie sofort!
Die Dragoner wollen die Räuber fortführen, als man Fiorellas Gesang vernimmt. Fiorella in ihrem ersten Anzuge erscheint, den Karabiner über die Schulter, mit Fragoletto, der ebenfalls als Räuber gekleidet. Allgemeine Bewegung. Währenddessen ist die Prinzessin und Adolf in die Nähe des Prinzen getreten, Gloria-Cassis zu Antonio.
PRINZFIORELLA und FRAGOLETTO
langsam vortretend
PRINZSo wird Fiorella immer
PRINZDes Räubers echte Tochter sein!
zum Prinzen
FIORELLAErinnert Euch, dass ich es war,
FIORELLAdie gerettet Euch das Leben;
FIORELLAseid Ihr nicht undankbar,
FIORELLAso müsst allen Amnestie Ihr geben!
FIORELLAFALSACAPPA und DIE RÄUBER
kniend
FIORELLAO gebt Amnestie!
PRINZIch bin nicht undankbar,
PRINZAmnestie will ich euch geben!
ALLEHoch lebe der Prinz, der edel verzeiht!
zu Antonio
GLORIA-CASSISIch bitte um die Kleinigkeit von drei Millionen,
GLORIA-CASSISseid Ihr bereit?
leise
ANTONIONoch nicht! Doch, - wenn gescheit Ihr seid,
ihm das Tausend-Banknoten-Billet bietend
ANTONIONehmt den Tausender indes für Euch!
leise, das Billet nehmend
GLORIA-CASSISSo gebt nur her, - ich versteh' Euch gleich!
freudig
ANTONIOEr versteht mich gleich!
PRINZNachdem sich zeigte, dass Falsacappa zwar immer die Polizei, die Polizei aber nie Falsacappa erwischt hat, ernenne ich ihn hiermit feierlich zum Chef der Polizei.
ALLEBravo!
FALSACAPPAAls Räuber will ich nun quittieren,
FALSACAPPAwir werden wieder tugendhaft!
FIORELLAEin ehrbar' Leben wir nun führen,
FIORELLAdass Staunen soll die Nachbarschaft.
FALSACAPPAIch kommandier nunmehr
FALSACAPPADas tapf're Militär.
FIORELLA, FRAGOEETTO, FALSACAPPADie grossen Stiefel kann er (ich) selbst nun ziehen an.
FIORELLA, FRAGOEETTO, FALSACAPPAStimmt an!
FIORELLA, FRAGOEETTO, FALSACAPPADie grossen Stiefel, sie klappen,
FIORELLA, FRAGOEETTO, FALSACAPPAsie trappen, sie trappen, sie trappen.
FIORELLA, FRAGOEETTO, FALSACAPPADer Kapitän, er geht voran,
FIORELLA, FRAGOEETTO, FALSACAPPAer hat die grossen Stiefel an.
FIORELLA, FRAGOEETTO, FALSACAPPADie grossen Stiefel, sie klappen,
FIORELLA, FRAGOEETTO, FALSACAPPAsie trappen, sie trappen, sie trappen.
FIORELLA, FRAGOEETTO, FALSACAPPASo trappet nur ein Kapitän!