Das Lied vom Tannhäuser
P. Geisler
Nun will ich wallen hin nach Rom,
Gott mög' der Reise walten;
Zum heil'gen Vater, Pabst Urban,
Der mög' meine Seele behalten.
Und als er kam nach Rom hinein
Mit müden, blutenden Füßen,
Da fiel er nieder auf die Knie
Seine Sünden wollt er büssen.
Ach, heil'ger Vater Pabst Urban,
Ich trage Reu im Sinne,
Ich bin gewesen sieben Jahr
Im Berg einer Teufelinne.
Ich habe gesündigt sieben Jahr
Mit Venus, der schönen Frauen,
Nun möcht ich Buß' und Beicht empfahn
Und Gottes Gnade schauen.
Hast du gesündigt sieben Jahr
Im Berg mit Venus, der Frauen,
So wirst du niemals Beicht' empfahn
Noch Gottes Gnade schauen.
Wie dieser Stab in meiner Hand
Nie grünen wird und blühen,
So wahr soll deine Seele auch
In der Hölle ewig glühen.
Tannhäuser ging zur Kirche hinaus,
War traurig ohne Maaßen:
Ich dachte Gott wär' gnädig mir,
Nun muss ich von ihm lassen.
Und als er kam vors Thor hinaus,
Begegnet ihm unsre liebe Fraue:
Behüt dich Gott, du reine Magd.
Dich darf ich nimmer anschauen.
Und als er wieder kam vor den Berg,
Er sah sich um gar weite:
Gott segne die Sonne, Gott segne den Mond,
Dazu meine lieben Freunde!
Tanhäuser ging in den Berg hinein
Frau Venus, die kam ihm entgegen:
Tannhäuser, lieber Tannhäuser mein,
Wo bist du so lange gewesen?
Sie setzt ihn nieder auf einen Stuhl,
Sie wusch ihm die blutigen Füße,
Sie trocknet ihn ab mit ihrem Haar
Und lachte dabei so süße.
Sie kamen aus der Kammer heraus,
Frau Venus mit Lachen und Scherzen;
Tanhäuser sprach kein einzig Wort,
Ließ sich schweigend küssen und herzen.
Um diese Stund' begann in Rom
Der dürre Stab zu grünen,
Und als es zu der Vesper kam,
Da trug er Laub und Blumen.
Der Pabst betrübte sich gar sehr
Betet' und rang die Hände:
Tanhäuser blieb in Frau Venus Berg
Ewiglich ohne Ende.