Soll allzeit zängen das Haar in die Haube
P. Heise
Soll allzeit zängen das Haar in die Haube,
nicht ziemt mir, dass eine Schleife dran sei;
dumpf ist's hier in der Krämerlaube
wär' wie ein Vogel ich frei!
Der Mutter gleich ich, o schmeichelnder Glaube!
Spiegelein, sag', bin ich schön?
Sie nannten zur Taufe mich "Taube";
sie strebet frei nach den Höh'n.
Es läutet früh schon zum Messgesang,
ach, wie ist Dyvekes Tag so lang;
und wenn aus der Stadt ich mit Mutter schau',
da hemmen uns Berge so eisengrau.
Doch draussen im Garten bei Blumen und Bäumen,
da duftet der Sommer von würzigem Kraut;
hold umfangen von lieblichen Träumen,
wie schlägt mein Herze so laut,
dem Waldkuckuck gleich, ohne Rast, ohne Säumen:
mein Leben so lang, so lang soll es sein.
Sei, Vogel, gegrüsst unter Blumen und Bämen,
gegrüsset, gegrüsset, du Kuckuck so traut!