Wenn die Knospen brechen

R. Förster

Wenn die Knospen brechen,

Wenn in tausend Bächen

Von den Bergen rinnt der Winterschnee,

Wenn zur Osterfeier

Bunte Ostereier

Legt der Hase in den grünen Klee,

Wenn die Lerchen steigen

Und von Blüthenzweigen

Weisse Blätter regnen auf den Hut

Wenn der Nachtigallen

Minnelieder schallen,

O wie kost und küsst sich's dann so gut!

Wenn sich neigt die schwere,

Braune Weizenähre

Und der Wachtel Ruf aus Feldern dringt.

Wenn im Tannenschatten

Auf den Alpenmatten

Liebeslust und Leid zur Zither klingt,

Wenn die Seeforellen

Über's Wasser schnellen

Und die Nachen schwanken auf der Fluth,

Wenn zur Sonnenwende,

Lodern Feuerbrände

O wie kost und küsst sich's dann so gut!

Wenn die Hirsche röhren,

Wenn der Wind den Föhren

Braune Zapfen schüttelt vom Geäst,

Wenn die Ammern streichen

Und in hohlen Eichen

Sich das Eichhorn baut das Winternest,

Wenn die Hamster pfeifen

Und die Schlehen reifen,

Wenn die Kelter trieft von Traubenblut,

Wenn die schlauen, raschen

Drosseln Beeren naschen,

O wie kost und küsst sich's dann so gut!

Wenn die Tannen ächzen

Und die Raben krächzen

Und der Dachs sich nährt vom eignen Fett,

Wenn die Fensterschäben

Weisse Blumen treiben

Und Frau Holle schüttelt aus ihr Bett,

Wenn die Eule wimmert

Und die Lampe schimmert

Und im Ofen flackert rothe Gluth,

Wenn die Räder surren

Und die Spindeln schnurren,

O wie kost und küsst sich's dann so gut!