Primel

R. Stolz

Ein Englein einstens sich verlor im Meer der Abendwölkchen...

und als er kam ans Himmelstor, schlief schon das heil'ge Völkchen!

Zwar pocht es unverdrossen

doch blieb das Tor verschlossen!

Ei ja, ei ja, ei ja, ei ja!

Doch blieb das Tor verschlossen!

Das Engel weint und klagte laut: Wie komm ich in den Himmel?

und wie's zur Erde niederschaut, erblickt es eine Primel!

Das Englein lachte leise

und macht sich auf die Reise!

Ei ja, ei ja, ei ja, ei ja!

Und macht sich auf die Reise!

Lieb Blümchen, ach empfange mich mit nicht so herben Mienen!

Du mußt mir heut', ich bitte dich als Schlüssel heimlich dienen!

Die Primel tapfer nickte,

das Englein rasch sie pflückte:

Ei ja, ei ja, ei ja, ei ja!

Das Englein rasch sie pflückte!

Das Englein kam vor Morgen noch ans goldne Himmelstürchen...

die Primel paßt ins Schlüsselloch... 's ging alles wie am Schnürchen!

Das Englein war gerettet!

Wer hätte das gewettet!

Ei ja, ei ja, ei ja, ei ja!

Wer hätte das gewettet!

Das Englein drauf die Primel tat in eine Silberschlüssel

und sprach: Dein Adelsprädikat sei fortab Himmelschlüssel!

Dann tanzten in den Bettchen

die Englein ein Ballettchen!

Ei ja, ei ja, ei ja, ei ja!

Die Englein ein Ballettchen!

Ei ja, ei ja, ei ja, ei ja!