Todesblume

R. Stolz

Einzige der holden Blumen,

die du ohne Seele bist!

Oh, wie leuchtet deine Schönheit,

die dem Tod verschwistert is.

In des Kelches Tiefe lockst du

manchen Falter gold gewebt,

grausam schließt du deine Blüte

und der Ärmste hat gelebt!

Oh, wie gleichst du vielen Frauen,

stolz und schön im Menschenreich...

Hinter großen Veilchenaugen

Lauert Sünde, raubtiergleich!

Ihre Liebe träumt von Tischchen

Rotgedeckt und lichtverziert,

wo der Tod im dunklen Fracke

Männerherzen stumm serviert!

Einzige der holden Blumen,

die du nicht wie Blume bist,

oh, wie gleichst du Frauenschönheit,

wenn sie ohne Seele ist.