Schneeglöckchen

R. Stolz

Schneeglöckchen... Schneeglöckchen...

Menschen wissen nichts,

nichts von deinem zarten Heldenleben:

In die Kühle winterlichen Lichts

mußt du schon dein blasses Köpfchen heben...

Wenn der Frühling noch verborgen träumt

Hinter schneeverhang'nen Bergeszinnen,

mußt du mit den Schwestern unversäumt

dein ersehntes Glockenspiel beginnen,

Mußt die Schmetterlinge, Bienen, Käfer

wecken aus dem Schlummer fern und nah,

bis die holdgeflügelt kleinen Schläfer

wissen: Frühling, Frühling ist bald da!

Und wenn dann mit tausendfachem Glanze

der allmächt'ge Lenz vom Berge steigt...

und der Wind die Blumen lädt zum Tanze,

hast du schon dein Köpfchen welk geneigt...

Dir ist weder Ruhm noch Dank geworden:

klagend bricht dein Glockenspiel entzwei...

Und in leise sterbenden Akkorden

Läutest du den eig'nen Tod herbei.