Heimweh

S. Neukomm

Fern von der Heimath, wo mir bei dem Tone

Froher Gespielen das Leben entschlich,

Unter dem blühenden Dach der Zitrone

Denk' ich, verlassene Heimath, an Dich.

Zwar mit nie welkenden Kränzen umschlingen

Blüthen und Früchte die südliche Flur,

Ewig entschwebt hier mit gläzenden Schwingen

Lächelnd ein Frühling der Hand der Natur.

Und wo die Berge der Heimath entsteigen

Schlafen die Blumen, kaum sind sie geweckt,

Und die Gebüsche der Nachtigall schweigen,

Kalt von der Flocke des Winters bedeckt.

Aber die Blumen entkeimten und schwanden

Dort von dem Hauch meiner Kindheit berührt,

Wo die Gebilde der Täuschung entstanden,

Die uns die zürnende Wahrheit entführt.

Unter den kräftigen, schattigen Bäumen

Lauschte dem ersten Vertrauen mein Ohr,

Und meine Zukunft mit blühenden Träumen

Stieg dort am Grabe der Väter empor.

In des Zitronenhains goldenen Wogen

Lächeln und täuschen uns Hoffnung und Glück,

Und um den Frieden der Seele betrogen

Sehn wir getäuscht nach der Heimath zurück.