Die letzte Scholl' hinunterrollt

Schumann, Robert

Tenor-solo

Die letzte Scholl' hinunterrollt,

Die letzte Träne ward gezollt;

Und still nach Haus gewandelt sind.

Die zur Ruh' geleitet des Müllers Kind.

Auch der Totengräber verlässt den Ort,

Nur das Mädchen kniet noch am Grabe dort.

Schon glänzet aus tiefblauem Himmel

Der Sterne gold'nes Glanzgewimmel;

Das Mondlicht lauscht durchs Laub der Linden,

Als sucht' was Liebes es zu finden.

Die Pilg'rin hebt sich jetzt empor,

Und wandelt nach des Kirchhofs Tor.

Totengräber

Wo willst du hin, feucht wird die Nacht.

Rose

Mich leuchtet heim der Sterne Pracht.

Totengräber

Denk', Kind, es sei des Vaters Bitte:

Verweil' die Nacht in meiner Hütte,

Das Wenige, was mir gehört,

Sei dir, mein Kind, gewährt.

Rose

Hab' Dank - mit neuer Lebenslust

Erfüllt dein freundlich' Wort die Brust -

Ich folg' dir, bis zum Morgenschein

Will ich dein Gast, mein Vater, sein.

Totengräber

Du siehst, schmucklos ist meine Wand.

Rose

Das Kränzchen dort am weissen Band?

Totengräber

Das gilt mir wohl als höchstes Gut;

Mein liebes Weib, das draussen ruht,

Trug diesen Kranz im blonden Haar,

Als mein sie wurde am Altar.

Doch lass die Toten ruh'n -

Sie haben Frieden nun.

Uns stelle Gott die Engelwacht

Zu unsrem Schlaf in dieser Nacht.

Rose

Behüt' sie Euch, wie alle Guten!

Totengräber

Schlaf sanft!