Zwischen grünen Bäumen
Schumann, Robert
Die Blumen öffnen die Augen,
Das Gras schaut leis empor,
Die Morgenwinde hauchen,
Die Sonne tritt hervor.
Der Lerche Jubel schwebet
Schon in der blauen Luft,
Vom Wald der blonden Ähren
Steig't würz'ger Blüte Duft.
Zwischen grünen Bäumen
Schaut des Müllers Haus,
Wie der Sitz des Friedens
Auf das Thal hinaus.
Waldbachs wilde Woge
Treibt das rasche Rad,
Das, wie Liebessehnen,
Niemals Ruhe hat.
In dem Gärtchen neben
Schmückt die Sommerlust
Sich mit frischen Blumen
Locken, Haar und Brust.
Grüne Epheuranke
Hat die Gartenwand
Mit dem grünen Blätter-
Netze überspannt.
In der kleinen Laube,
Wo im Abendglühn
Gaisblattsblüten duften
Zwischen Immergrün,
Saß so gern am Morgen
Müllers Töchterlein,
Schaute hoch vom Felsen
In das Thal hinein,
Denn dort in der Ferne,
Wo die Pappeln stehn,
Breite Windmühlflügel
Sich geschäftig drehn,
Wohnte ja der Eine,
Dem sie sich geweiht,
Wohnte ihr geliebter,
Herzigguter Veit.
Ach, die Laube öde,
Und das Lieb im Grab,
Und der Tiefbetrübte
Fort am Wanderstab!
An dem Fels vorüber
Rauscht der wilde Bach,
Fragend wohl, wo weilet
Die hier Blumen brach?
Jene blauen Blümchen,
Die die Liebe bricht,
Will das Lieb sie bitten:
"Herz, vergiß mein nicht."