Zahnweh

Schumann, Robert

Wie du mit giftgem Stachel fast

Die Kiefern mir zerrissen hast!

Mein Ohr durchdröhnet ohne Rast

Dein Marterstich;

Du bist der Nerven Pein und Last:

Fluch über dich!

Stellt Fiebers Glut und Frost sich ein,

Zwickt Kolik, reißt's in Mark und Bein,

Mitleid und Trost wird uns verleihn

Des Nachbar's Herz;

Du aber fügst zu Höllenpein

Noch Spottes Schmerz!

Mir träufelt Speichel über's Kinn;

Die Sessel schleudr' ich her und hin;

Um's Feuer tanzt mit lustgem Sinn

Die kleine Brut,

Ein Schwarm von Hummeln -- ach, ich bin

Wahnsinn und Wuth!

Von allen Plagen auf der Welt,

Mißrathenen Ernten, wenig Geld,

Der Schurken Zunft, die Netze stellt

Mit List und Fleiß,

Und dem, was Freud' uns sonst vergällt:

Trägst du den Preis!

Aus jenem Pfuhl, der Hölle heißt,

Wo der Verzweiflung Jammer kreißt,

Und jede Furie Satan preis't,

Zahnweh, fürwahr!

Bist du der größte Plagegeist

Der ganzen Schaar.

O Schwefelhaupt im Glutpalast,

Der du die Qual geboren hast,

Und willst, daß Nebel und Morast

Auf heitrer Bahn weh';

Gieb Jedem, der Alt-Schottland haßt,

Ein Jahr lang Zahnweh!