Die Säle funkeln im Königsschloß
Schumann, Robert
Chor
Die Säle funkeln im Königsschloß,
Kommt an mit Flöten und Geigen;
Das schöne Königstöchterlein
Tanzt drinnen den Hochzeitsreigen.
Alt Solo
Sie trägt im Haar den Myrthenkranz,
Doch wandelt sie stumm und befangen;
Sie trägt an der Brust die blühende Ros',
Doch sind so bleich die Wangen.
Sie tanzt mit dem fremden Königssohn,
Er geht in Purpur und Seide;
Doch schöner, tausendmal schöner war
Der Knab' im Pagenkleide.
Chor
Heil! Heil! der Braut! der Braut! der hohen Braut!
Kommt an, kommt an mit Flöten und Geigen!
Am gold'nen Tisch zwölf Jungfrau'n steh'n,
Den perlenden Wein zu kredenzen;
Zwölf Pagen schwingen sich um das Paar
Mit lodernden Fackeln und Kränzen.
Meermann
(
aus der Ferne
Hei, leise! Feines Schloss am Meer,
Horch auf des Meermanns Harfen!
Chor
Die Fackeln verlöschen, die Geigen verstummen --
König
Sagt an, was soll das Schweigen?
Spielmann
Herr König, nicht entbrenn' im Zorn,
Wir dürfen nicht blasen und streichen;
Der Meermann harft vor dem Schlosse dein,
Dem Meermann müssen wir weichen.
Chor
Horch! Wie's empor von dem Meere wallt!
O süßes, trauriges Schallen!
Es schleicht so sacht durch die Nacht
Herauf in die Hallen.
Es schleicht so sacht in das Ohr der Braut,
Es ist als ob aus der Tiefe
Als ob aus der Tiefe mit Allgewalt
Der lieblichste Buhle sie riefe.
Prinzess
Mein arm Herz lässt des Lieds Gewalt
Im Tod zerfallen!
Prangt auch mein Ritter wunderbar
Im glänzenden Geschmeide,
Ach schöner, tausendmal schöner war
Der Knab' im Pagenkleide!
Chor
Es schleicht so sacht durch die dämmernde Nacht
Hinauf in die festlichen Hallen.
Aus ihren Locken der Myrthenkranz
Fällt welk zu ihren Füßen.
Alt Solo
Dem König rieselt's durch Mark und Bein,
Er fleucht entsetzt aus der Halle;
Es eilt der fremde Königssohn
Nach seinen Rossen im Stalle.
Chor
Im Saale liegt die bleiche Braut,
Ihr ist das Herz zersprungen;
Der Morgen trüb' in die Fenster graut,
Des Meermanns Harf' ist verklungen.