Zwei Reiter reiten vom Königsschloß

Schumann, Robert

Alt Solo

Zwei Reiter reiten vom Königsschloß,

Sie reiten hinab zum Strande;

In hohen Lüften pfeift der Wind,

Die Wellen schäumen zu Lande.

Sie sind hinauf am Ufersteg

In Schweigen dumpf geritten;

Blutrunen aus uralter Zeit

Steh'n droben eingeschnitten.

König

(

mit finsterem Ausdruck

Nun mir, dem König, Page mein,

Thu' kund mit freiem Muth:

Wer gab das Röslein dir, Gesell;

Das Röslein auf deinem Hute?

Page

Das Röslein gab die Mutter mir,

Da sie mich ließ in Sorgen;

Ich stell's in Wasser jede Nacht,

So blüht es jeden Morgen.

König

Wess' ist die Locke, die ich sah

Um deine Brust geschlungen,

Da vorhin dir vom scharfen Ritt

Das Reitwamms aufgesprungen?

Page

Das ist meiner Schwester lichtbraun Haar,

So fein und weich wie Seiden!

Es duftet süß wie Rosenöl,

Sie weinte d'rauf beim Scheiden.

König

(

heftiger

Nun sag' und red' die Wahrheit mir,

Gesell, es gilt dein Leben:

Wer hat den Ring am Finger dir,

Den goldnen Ring gegeben?

Page

Die mir den Ring am Finger gab,

Gab mir ihr Herz desgleichen;

(

feurig

Das ist die allerschönste Maid

In allen deinen Reichen!

König

Der Ring ist meines Kindes Ring!

Sein Blinken muß ich kennen.

Page

Weh! Deine Stirn' furcht Zorn!

Blutrunen seh' ich brennen!

König

Ha! Wagtest du in frechem Muth

Um ihre Lieb' zu werben,

Schon' ich dein jung, frisch Leben nicht,

Des Todes musst du sterben!

Page

Des Todes muss ich sterben!

König

Des Todes! Wohlauf, mein Schwert,

Kühl' 's Herzlein dem Gesellen!

Page

Weh! Weh! Weh!

König

Und deinen Leib verschling' die Fluth,

Und steht dein Sinnen so hoch,

So magst um die Königin jetzt

Der Wassernixen du minnen!

Alt Solo

Den Strand entlang zum Königsschloß

Heim reitet ein düst'rer Reiter;

Hinaus ins Meer die Leiche schwimmt,

Die Wellen rauschen weiter.