Gaudeamus igitur

T. Rehbaum

Gestern sass ich still beim Wein

Voller Mißvergnügen;

War wohl mit dem falschen Bein

Aus dem Bett gestiegen.

Da erklangen vor dem Thor

Jugendstimmen leise,

Und in mein geschärftes Ohr

Drang die Burschenweise:

Gaudeamus igitur,

Juvenes dum sumus!

Post jucundam juventutem,

Post molestam senectutem

Nos habebit humus.

Zog herein ein lust'ger Schwarm

Sachsen und Westphalen,

Mit Borussen Arm in Arm

Schwaben und Vandalen;

Junges Blut mit flaum'gen Bart,

Burschen, schlank wie Kerzen,

Auf der Wang' die tiefe Quart,

Auf der Stirne Terzen.

Vivat academia,

Vivant professores,

Vivat membrum quodlibet,

Vivant membra quaelibet,

Semper sint in flore!

Näher kommt's mit Hall und Schall.

Hinter Blumentöpfen

Wird's lebendig überall

Von bezöpften Köpfen.

Ob der Kaffee auch verbrennt

Und die theure Sahne,

Von dem Herd zum Fenster rennt

Tochter, Mutter, Ahne.

Vivant omnes virgines

Graciles, formosae,

Vivant et mulieres;

Tenerae amabiles,

Bonae laboriosae!

Als die alte Stadt entlang

Zog der helle Haufen,

Fühlt' ich über meine Wang'

Heiss ein Thränlein laufen.

Als ich's mit dem Finger schnell

Aus dem Bart gerieben,

Ist ein Haar mir silberhell

In der Hand geblieben.

Vita nostra brevis est,

Brevi finietur.

Venit mors velociter,

Rapit nos atrociter,

Nemini parcetur.

Alte Burschenherrlichkeit!

Bist du gleich entschwunden,

Schlug mir auch im Lauf der Zeit

Frau Fortuna Wunden,

Burschenmuth ich nicht verlor

Mit der Burschenmütze,

Und dem Schicksal nach wie vor

Biet' ich keck die Spitze.

Pereat tristitia,

Pereant osores,

Pereat diabolus,

Quivis antiburschius

Atque irrisores!