Unrast

A. Böhm

Schon harrst du gesattelt, mein wildes Ross,

Hier drinnen ist's schwer und schwül!

Hinaus, hinaus!... Es schläft mein Genoss

Tiefatmend auf heissem Pfühl.

Hinaus, hinaus ohne Zügel und Zaum

Und ziellos im sausenden Ritt!

Frau Sehnsucht, die kennet nicht Zeit und nicht Raum,

Frau Sehnsucht, sie reitet ja mit!

Hinweg über Tiefen, durch Schatten der Nacht

Hinüber zu leuchtenden Höhn,

Dahin, wo Gottvater am Lebensquell wacht,

Gottvater ins Auge zu sehn.

Und weiter und weiter im sausenden Ritt

Mit Sonnen und Sternen im Spiel!

Frau Sehnsucht, die Süsse, sie reitet ja mit --

Wo ist ihren Wünschen ein Ziel?

Und wir irren und suchen, bis Morgenrot

Die bleichenden Sterne grüsst,

Bis mir der Schlummer all meine Not

Von pochender Schläfe küsst.