Carlisle-Thor
A. Jensen
Weiß war die Ros' auf seinem Hut,
Als seinen Plaid er um mich schlug;
Die Rechte, die mir Treue schwur,
O, wie sie kühn das Banner trug!
Sein lang lang Haar in Strängen gelb
Floß um sein Antlitz roth und muthig;
Nun fließt es über Carlisle-Thor
In nassen Ringeln, schmutzig, blutig.
Meines Vaters Blut steht auf dem Klee,
Meines Bruders in der Winde Glocken;
Meines Liebsten färbt die weiße Ros' --
Das gibt ein Kranz für meine Locken!
* * *
Als ich zuerst nach Carlisle kam,
Nie schien ein Ort so froh, so wonnig;
Die weiße Rose prunkt' am Wall,
Das Distelbanner strahlte sonnig.
Als wieder ich nach Carlisle kam,
O traurig schien die Stadt und trübe;
Die Greife kamen weinend her:
"O Mädchen, sucht ihr eure Liebe?"
Zwei Tropfen Blut stehn mir im Haar,
Ein Tropfen zwischen meinen Brüsten;
Nun kämm' und wasch' ich keines mehr,
Hinsitz' ich bei den Blutgerüsten.
Weh', Wehe nun der Grausamkeit,
Weh' nun der Hand und ew'ge Schande,
Die schwelgt in unserm besten Blut,
Und junge Wittwen macht im Lande!