Gordon von Brackley

A. Jensen

Dee-abwärts kam Inveraye,

Trotziglich jagend,

Vor Tag schon an Backley-Thor

Rufend und schlagend:

"Komm, Gordon von Brackley,

Komm, Hüter des Rains!

Em Schwert pocht an's Thor dir,

Ist schärfer als deins!"

"Steh' auf nun, mein Gordon,"

Begann sein Gemahl,

"Sieh', Inveraye treibt dir

Die Kühe durch's Thal!"

"Wie kann ich, o Dame,

Wie kann ich denn gehn?

Ich habe nur Ein Schwert,

Und Inveraye zehn!"

"Mit Rocken, mit Fächer

Kommt, Mädchen, heran!

Wie reich wär' ich, hätt' ich

Gefreit einen Mann!

Steht auf, meine Mädchen,

Waffnet euch, waffnet mich!

Geh', Gordon, melk' Schafe,

Lord jetzo bin ich!"

Der Gordon springt auf,

Nimmt Helm und Geschoß,

Legt die Hand an fein Schwert,

Und den Schenkel auf's Roß.

Und wie er sie küßt,

Da muß sie es hören:

"Ein Gordon sprengt fort,

Kein Gordon wird kehren!"

Mit Schwert und mit Dolch

Fiel Inveraye's Streich,

Und der frohtapfre Gordon

Liegt blutig und bleich.

Von den Quellen des Dee

Bis zur Mündung des Spey

Beklagt ihn das Hochland,

Und flucht Inveraye.

"O kamt ihr nach Brackley?

Doch redet mir wahr:

Beweint ihn die Wittwe,

Zerrauft sie ihr Haar?"

"Wohl kam ich nach Brackley,

Doch sah ich kein Leid,

Nur Schmausen, nur Tanzen,

Und lustige Zeit.

"Wie ein Bräutchen die Dame,

So lachend, so frisch;

Wie ein Bräutigam Inveraye

Nächst ihm am Tisch.

Sie gab ihm Bankett,

Wie kein Lord es erlebt,

Ob das Blut ihres Herrn

Auch sein Schwert noch umklebt."

In Hütt' und in Halle

Ist Jammer und Noth

Um den frohtapfern Gordon,

Der hin ist und todt.

Dem Feld kehrt die Blume,

Die Knospe dem Flieder,

Doch die Guten, die Tapfern,

Sie kommen nicht wieder.