Blaues Veilchen

C. Attenhofer

Die Sonne lacht so hell und rein

Im goldnen Frühlingsglanze;

Viel' Blumen blühn in Feld und Hain

Zum allerschönsten Kranze;

Doch von den Blumen allzumal

Wird immer meine liebste Wahl

Das blaue Veilchen bleibe.

Von blauen Veilchen war der Kranz,

Der Hannchens Locken schmückte,

Als ich zum ersten Mal im Tanz

Sie schüchtern an mich drückte;

Schaut nun aus reichem Blumenflor

Ein blaues Veilchen still hervor:

Denk' ich der sel'gen Stunde.

Von blauen Veilchen war der Strauß,

Der Hannchens Busen zierte,

Als ich in unser kleines Haus

Das junge Weibchen führte;

Was Wunder, wenn im Feld und Hain

Das blaue Veilchen mir allein

Gefällt vor allen Blumen!

Und als der Tod mein Hannchen nahm,

So fest mir mir verbunden,

Da hab' ich selber ihr voll Gram

Den Leichenkranz gewunden;

Doch nicht von dunklem Rosmarin,

Von blauen Veilchen wand ich ihn,

Die ich mit Thränen netzte.

Nun mögen wohl in Feld und Hain

Viel tausend Blumen prangen,

Am blauen Veilchen ganz allein

Bleibt Herz und Auge hangen.

Das blaue Veilchen ruft zurück

Vergangner Tage schönstes Glück,

Vergangner Tage Schmerzen.