Fahnenlied
C. Attenhofer
Ob auch an fremdem Meeresstrande
Das Herz zur alten Heimat flieht
Und zu der Alpen grünen Höhen
Auf Flügeln stiller Sehnsucht zieht,
Noch ist ein Zeichen uns gegeben,
Das unsre Brust mit Muth erfüllt,
Wenn es zur Weihe froher Feste
Vor unsern Blicken sich enthüllt:
Entrolle dich der Heimat Banner,
Du weißes Kreuz im rothen Feld,
Auf dich ist tief im Weltgedränge
All' unsre Lieb' und Lust gestellt!
Was schwillt das Herz in stolzer Freude,
Wenn des Gesanges Welle rauscht?
Es ist das Lied vom Vaterlande,
Dem fromm der Knabe schon gelauscht.
Wie Bergluft wehen seine Klänge,
Wie Glocken durch ein sonnig Thal,
O fließet nur, des Heimwehs Thränen,
Ihr fließet nicht zum lezten Mal!
Entrolle dich, der Freiheit Banner,
Du weißes Kreuz im rothen Feld,
Und flatt're einen Gruß hinüber
Den Wohnern dort am Himmelszelt!
Auf blut'gen Siegesfeldern sproßte
Die alte Freiheit uns hervor;
Aus Noth und aus Verkennung schwebte
Sie, eine Taube, rein empor!
Und wo noch jetzt im letzten Ringen
Ein Volk zu seiner Fahne schwört,
Da wird es stark und todesmuthig,
Wenn es den Ruf zum Sterben hört:
Entrolle dich, der Heimat Banner,
Du weißes Kreuz im rothen Feld,
Du mahnest uns mit Mutterstimme:
Ein jeder Streiter sei ein Held!
Ob rings die schwarzen Wetter brausen,
Es stehet fest die Alpenwand;
So wird auch unsre Liebe bleiben
Zu dir, o theures Vaterland!
Und mußt du einst im Sturm zerfallen,
Zerbrechen, wie die Eiche bricht,
Ein großes Erbe bleibt uns Allen,
Du fällst, -- doch sterben wirst du nicht:
Entrolle dich, der Freiheit Banner,
Du weißes Kreuz im rothen Feld,
Der alten Heimat Söhne tragen
Dich im Triumphe durch die Welt!