An Gott

C. Bach

Wenn ich erwache, denk ich dein,

du Gott, der Tag und Nacht entscheidet

und in der Nacht mit Sonnenschein

den finstern Mond bekleidet.

Er leuchtet königlich daher

aus hoher ungemessner Ferne,

und ungezählt wie Sand am Meer

stehn um ihn her die Sterne.

Welch eine Pracht verbreitet sich!

Die Dunkelheit, geschmückt mit Lichte,

sieht auf uns nieder, nennet dich

mit Glanz im Angesichte.

Du Sonnenschöpfer, wie so groß

bist du im kleinsten Stern dort oben,

wie unaussprechlich namenlos!

Die Morgensterne loben

dich miteinander in ein Chor

geschlossen, wie zu jener Stunde,

da aus dem Chaos tief hervor

ein Wort aus deinem Munde

allmächtig diese Welten rief,

am Firmament herum gesetzet.

Du sprachst, das Rad der Dinge lief

und läuft noch unverletzet.

Noch voller Jugend glänzen sie,

da schon Jahrtausende vergangen!

Der Zeiten Wechsel raubet nie

das Licht von ihren Wangen.

Hier aber unter ihrem Blick

vergeht, verfliegt, veraltet alles.

Dem Thronenpomp, dem Kronenglück

droht eine Zeit des Falles!

Der Mensch verblüht wie prächtig Gras,

sein Ansehn wird der Zeit zum Raube.

Der Weise, der in Sternen las,

liegt schon gestreckt im Staube!

Ich lese, großer Schöpfer, dich

des Nachts in Büchern, aufgeschlagen

von deiner Hand. O lehre mich,

nach deinem Lichte fragen.

Sei meiner Seele Klarheit, du

Regierer der entstandnen Sterne,

und blicke meinem Herzen zu,

dass es dich kennenlerne!