Aufmunterung zur Tugend
C. Bach
Ins Reich entfernter Ewigkeiten
verliert sich mein entzückter Blick.
Ich seh das Glücke jetzt'ger Zeiten
weit hinter meinem Wunsch zurück.
Ist's möglich? Konnt es ja mich blenden;
was ist es dann als Dampf und Schein?
Nur aus der Zukunft reichen Händen
kann mich ein wahres Glück erfreun.
Dort, wo der Ursprung aller Wesen
im Sitz der Seligkeiten wohnt,
wo bei der Schar, die er erlesen,
der Menschenfreund erhaben thront.
Wo Weisheit, Allmacht, Huld und Güte
in einem Mittelpunkt vereint,
der Sonne gleich, durch das Gebiete
der ganzen Schöpfung liebreich scheint.
In diesem Vaterland der Geister,
in diesem Aufenthalt des Lichts,
ist nur die Tugend Herr und Meister,
gilt Ehre, Lust und Reichtum nichts.
Der erste hier an Rang und Würden
ist Gottes und des Menschen Sohn.
Er trug der schwersten Pflichten Bürden,
dadurch trug er das Reich davon.
Weil er der Tugend treu geblieben,
wird ihm der Zepter zuerkannt.
Kein Name wird hier eingeschrieben,
den nicht die Tugend erst genannt.
Wer sich der Wahrheit Freund bewiesen,
hat hier zu Glück und Freude Recht.
Und hier wird kein Verdienst gepriesen,
als dass man war der Tugend Knecht.
Ach! hier bewährt erfunden werden,
was ist es für ein selig Glück?
Wie weit steht alles Glück der Erden
nicht hinter diesen Ruhm zurück?
Wie wird sich hier der Christ erfreuen,
der elend hier, doch fromm geweint,
nennt einst ihn, vor der Engel Reihen,
des Himmels König seinen Freund.
O! dieses Glückes wert zu werden,
soll hier mein ganz Bestreben sein;
dem Himmel will ich hier auf Erden
schon alle meine Wünsche weihn.
Der Tugend will ich mich befleißen,
die mir mein Heiland vorgetan,
der mich so gerne Freund will heißen,
wenn er es nur mit Grunde kann.