Liebesbann
C. Kreutzer
Ein Jüngling zog bergauf, bergab
mit lustigem Gemüt;
gestützt auf seinen Wanderstab
sang er manch helles Lied.
„Glück auf, mein Pilger, auf die Fahrt!
wohin führt dich dein Sinn?“
„Ich weiß es nicht; nach Dichterart
zieh' sorglos ich dahin.“
So sang der Knab' und freute sich
an Gletschern spiegelblank,
an Alpengrün, und jugendlich
an Fichten hoch und schlank.
Da guckten einst zwei Äugelein,
so hell wie Morgentau,
ihm in sein armes Herz hinein,
zwei Äuglein lieb und blau.
„Hoho, Gesell, was willst du hier?
Geh weiter deine Bahn!“
„Ich kann nicht, ach, es haben's mir
zwei Äuglein angetan.“