Fünfte Serenate

C. Neefe

Im Schnee begraben starret

Die trauernde Natur;

Kein muntrer Vogel harret,

Auf der verwais'ten Flur;

Gefroren sind die Teiche,

Entblättert die Gesträuche,

Und rings umher die Welt ein Grab.

Aber nur ich, ich harre

Vor deiner öden Thür:

Auf ländlicher Quitarre

Sing ich ein Lied von dir;

Seh' mit gelass'ner Seele,

Aus Äols schwärz'ster Höhle

Den Nordwind stürzen, der mir droht.

O der ist nicht der Küsse

Der Götterlippe werth,

Der nicht für dich, du Süße,

Gefahr und Schmerz begehrt:

Nicht, Trotz der schwersten Bürde,

Gelassen lächeln würde,

Wenn ihm dein Bild vor Augen schwebt!

Doch gütigste Themire,

Sanft, wie der jüngste West,

Eröffne mir die Thüre,

Eh' mich mein Geist verläßt!

Schon starren meine Glieder;

Bald sink' ich kraftlos nieder,

Und schlumm're hin, in ew'ge Nacht.

Mit meinen letzten Blicken

Würd' ich nach dir noch seh'n:

Noch nennte mit Entzücken

Mein letzter Hauch dich schön!

Doch dieser Lohn der Treue,

Er würde später Reue,

Zu später Wehemuth Mutter seyn.