Sechste Serenate
C. Neefe
Der Regen ströhmt; der Sturm ist erwacht;
Verlassen lieg ich hier in einsamer Nacht!
Verlassen, ach! lieg ich hier vor der Grausamen Thür!
O sie! -- sonst mein Leitstern, mein Entzücken,
Sie, das Mädchen mit den Engelblicken,
Sie riß sich, ach! riß sich von mir!
Regen ströhme! Sturm erwache!
Donnre laut, du Donner der Rache!
Donnre laut!
Da liegt sie, die mir versprochene Braut,
In des Verräthers Arm
Von Wollust berauscht, von Küssen warm.
Heraus! heraus aus dem Rausche deines Schlummers!
Bald werden die Töne des sterbenden Kummers
Den Schlaf von deinem Bette scheuchen.
Träume des Schreckens, Bilder von Leichen,
Werden um dein Lager stehn,
Werden Dolche dir im Busen,
Nattern in dein Herz dir drehn.
Und auch ich, den du erwürgest,
Werde blutig unter dem Haufen dir winken;
Dann wirst du umsonst mit bittender Geberde,
An sic Busen deines Lieblings sinken;
Dann wird des Gewissens Folterpein
Dein Begleiter am Tage,
Dein Verfolger in Nächten seyn!
Ach! so kehre, weil noch Zeit ist, kehre wieder!
Warst ja sonst so zärtlich, warst so engelschön!
Sieh, verziehn ist dein Vergehn;
Holder Stern, nur leuchte wieder!
Leuchte, eh des letzten Abends Dunkel
Schaudervoll mein Leben schließt;
Und die letzte bange Thräne
Vom gebrochnen Auge fließt.