Herbst

C. Sinding

O, wie altschwer ist jeder Tritt,

wenn zurück der Weg wird getreten;

Leicht war der Schritt, und jugendlich frisch,

als es ging gegen glückliche Zeiten.

Klein Vogel am Weg hatte viel

zu thun mit seinem Liebessang;

durch die Buchen erschallte

Jubel und Klang,

jetzt singt es,

jetzt klingt es nicht mehr.

Nur der rauschenden Tannen tiefes Gestöhn

tönt herüber wie ein wogendes Meer,

der Herbst zieht heran.

Geliebte! Ach welch' einen doppelten Klang

vernehm' ich in diesem Rufen;

Vögelgelächter aus goldigen Korn

und das Seufzen der Waldegewässer!

Der Sommer flog fort,

nur der Herbst blieb zurücke,

ein ärmlicher Herbst;

Nur ein Abglanz vom Glücke

mit spärlichem Trost,

ein fahles farbloses Bild.

Und ich press' das verblichene Blatt an den Mund

sie birgt doppelte streitende Lust

die Abschiedsstund.

Nein, ich will nicht wie ein Klagender steh'n,

wenn Nichts doch lässt sich verändern;

Lieber die herbstgelben Wege geh'n,

wenn doch diesen Pfad ich muss wandern.

Kraft hat die Luft, die mir

athmet entgegender Tannenhain,

es schimmert, es glüht

in der Herbstsonne Schein,

jede Blume hat stärkeren Duft.

Mag der Lenz nur verstummen,

ein Keim sprosset hie,

Es liegen noch Lieder im Herzen;

sie sterben, sie sterben nie.