Sakuntala

C. Sinding

Vor Sehnsucht ich konnte nicht schlafen,

ein Blumenhauch

füllte die Luft,

strömte herein durch die Fenster

wie ein Fluss von berauschender Duft.

Ich hörte die hohen Palmen

säuseln sacht'

mit süssem Sang;

ein Flüstern

rings um mir entgegen klang:

Sakuntala, Sakuntala.

Du ewiger Himalaya,

dess' Stirne strahlt

in Sonnengluth,

warum sendest du heut' mir entgegen

wohl deiner Quellen Fluth?

Warum rieseln die duftenden Wogen

erinn'rungsvoll an mir vorbei?

Warum trifft doch mein bebender Blick auf's neu:

Sakuntala! Sakuntala!

O Mädchen, du senkst in meinen Blick

dein Auge so weich

und so feucht,

als wär' dir in dieser Stunde

der bindende Ring gereicht!

Ach, nicht eine einzelne Stunde,

nicht ein Tag,

Jahrtausende schon

sind zwischen uns beide längst entfloh'n:

Sakuntala, Sakuntala!

Nicht dir fiel der Ring in die Fluthen

Dushjántas selbst

warf ihn hinein,

und könnt' er auch stillen den wilden Strom,

der Ring wird verloren doch sein.

Dushjántas geht zu jagen

in den Palmenhain

am Fluss;

trifft eine Antilop' sein Schuss:

Sakuntala, Sakuntala.