Der deutsche Knabe

F. Abt

Vom Gebirge kommt der Knabe

mit der Leier in der Hand;

so mit seiner einz'gen Habe

wandert er durchs deutsche Land,

und überall auf seiner Reise

tönt sein Gesang nach deutscher Weise:

Deutschen Himmel, deutsche Flur,

alles Deutsche preist er nur.

Doch es will ihm gar nicht glücken

mit der Leier in der Hand;

weinend wendet er den Rücken

und verlässt das Vaterland.

Lenkt nun nach Frankreich seine Schritte

und preist auch dort in jeder Hütte

Deutschlands Himme, deutsche Flur;

deutsche Lieder singt er nur.

Und so muss er weiter reisen,

rastlos weiter in die Welt;

Deutschland höret man ihn preisen

von der Seine bis zum Belt.

Und legt am Abend er sich nieder,

ertönt noch eines seiner Lieder:

Deutschland, deine lichten Höh'n

werde ich einst wiederseh'n.

Müder werden seine Glieder,

und umflorter wird sein Sinn;

schwankend lenket er nun wieder

seinen Fuß zur Heimat hin.

Und am Ziel, erschöpft von Leiden,

singt er, noch lächelnd im Verscheiden:

Deutschland, deine lichten Höh'n

hab' ich wieder doch geseh'n!